Wir sind Umgezogen

Es ist so weit– Peter Amende hat uns ein tolles eigenes Theme gebaut, das wir nun auf unserer eigenen Seite zum Einsatz bringen. Ihr findet unseren Blog fortan unter:

kegelklub.net/blog

Meta-Statement des Kegelklubs zur Berliner Erklärung

oder: Warum wir uns noch nicht zur Berliner Erklärung positionieren.

Am 15. Dezember wurde die parteiübergreifende “Berliner Erklärung” http://www.berlinererklaerung.de zu einer Frauenquote für Aufsichtsräte in Deutschland veröffentlicht.
Die frauenpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus wollen eine gemeinsame Pressemitteilung zu dieser Erklärung veröffentlichen. In diesem Zusammenhang haben einzelne Piraten-Fraktionsmitglieder eine Position des Kegelklubs gefordert.
Der Kegelklub rät Simon Kowalewski, als frauenpolitischem Sprecher der Piraten-Fraktion, nach eigenem besten Wissen und Gewissen zu entscheiden, ob er die Erklärung mit unterzeichnen möchte oder nicht. Wir halten es nicht für möglich, innerhalb der nächsten 4 Tage (Laufzeit der Berliner LQFB-Schnell-Initiative) eine differenzierte Position zu dieser komplexen Frage zu entwickeln.
Wir bieten Simon an, ihm bei der argumentativen Ausarbeitung seiner Entscheidung zu helfen. Als Kegelklub werden wir perspektivisch daran arbeiten, eine Position zur Frage der Quoten in der Wirtschaft zu entwickeln und unseren eigenen Lernprozess dabei nachvollziehbar zu dokumentieren.
Zu der Frage, wie die Piratenpartei zu Quoten in der Wirtschaft steht, wollen wir eine breitere Diskussion mit allen an dem Thema Interessierten initiieren.
In einem ersten Schritt wollen wir eine Mumble-Diskussion veranstalten.
Wir laden alle Interessierten herzlich dazu ein, sich an dieser Diskussion zu beteiligen. Da das Thema Quote allerdings ein sehr kontroverses ist, bei dem oft ähnliche Fragen auftauchen, möchten wir alle Teilnehmenden bitten, vorher ein paar klärende Blogposts zu lesen, die wir als vorbereitende Lektüre rechtzeitig an dieser Stelle veröffentlichen werden.
Unsere entwickelte Position soll dann als Diskussionsvorschlag und Grundlage für die interne Willensbildung zurück in die Partei gegeben werden.

Warum spaßbremsen Spaß macht!

oder:
Humor ist, wenn man trotzdem nicht lacht

Letzte Woche gab es im Rahmen des 28c3 den wunderbaren Workshop “Feminist Flashback” von und mit Kadda und Lotte.
Wie meistens in solchen Runden war die thematische Bandbreite relativ groß, aufgegriffen wurden unter anderem einige verbale Entgleisungen während des Kongresses. Dazu gehört auch der Trend in IT-affinen Kreisen, statt des “DAUs” (dümmster anzunehmender User)  von der Mutter / Oma / Schwester zu sprechen, wenn es um jemanden geht, der von Technik keine Ahnung hat. Also z.B. “Erklär das mal so, dass es auch Deine Mutter versteht.”
Die Workshoprunde war sich einig, dass diese Entwicklung von einem geschlechtsneutralen Kürzel zu einer sexistischen Stereotypisierung ein Schritt in die ganz falsche Richtung ist.
Denn auch, wenn diese Aussage lustig sein soll oder ironisiert wird, so verfestigt sie doch ein Rollenbild, demzufolge Menschen weiblichen Geschlechts per se weniger technikaffin sind.

Was mich zu meinem Punkt bringt.
Bei mir fing es mit Bauklötzen und Legotechnik an, setzte sich mit dem Physik-LK fort und endete (vorerst) in einem stark männerdominierten Job. Ich habe mir über die Zeit angewöhnt, auf die Thematisierung meines Geschlechts mit beißender Ironie zu reagieren. “Ich krieg das schon hin, ich bin ja kein Mädchen” war da noch harmlos.
Wenn Witze über Frauen gerissen wurden, habe ich gerne noch einen drauf gelegt (oder drunter, wenn es um das Niveau geht…). Warum? Um zu zeigen, wie knallhart und supertough ich bin, dass mir all diese Sprüche und Witze nichts anhaben können und ja, wohl auch, um mich von den „Mädchen“ zu distanzieren.

Aber was habe ich damit erreicht?
Dass mich die Menschen in meinem Umfeld ernst nehmen und respektieren lag wohl eher nicht an meinem Repertoire sexistischer Witze, sondern an meinen Fähigkeiten und meinem Charakter. Klar gehört Humor auch dazu, aber rassistische Witze habe ich ja auch nicht gemacht.

Wahrscheinlich habe ich mit meinem Verhalten wohl vor allem zwei Punkte erreicht:

1. Ich habe dazu begeitragen, dass Sexismus gesellschaftsfähig bleibt.
Indem ich signalisiert habe, dass solche Witze ja „gar nicht so schlimm” sind, vielleicht sogar „total in Ordnung“, weil ja „starke Frauen“ sowas locker abkönnen. Und wenn es einer Frau gegenüber ok scheint, dann kann man so einen Spruch ja auch bei anderen Gelegenheiten reißen. Vielleicht verweisen sie dabei dann sogar auf mich, um ihren Seximus zu rechtfertigen. Und dann hört jemand so einen Witz, nicht wissend, dass der Sprecher / die Sprecherin es ironisch meint, oder, schlimmer noch, hat nicht das Mindset, solche Sprüche als sexistische Kackscheiße abzutun.

2. Ich habe also selbst sexistische Rollenbilder zementiert.
In meinem Kopf, in den Köpfen derer in meinem Umfeld, aber eben auch darüber hinaus. Unser Gehirn kann mit Negativ-Informationen nicht viel anfangen. (Denke jetzt NICHT an einen rosa Elefanten!) Was hängen bleibt, sind stereotype Muster wie eben „Frauen können keine Technik“, „Frauen muss Mann immer helfen“, „Frauen können nicht logisch denken“…
Und das ist doch gerade das, was ich nie, nie, nie wollte!!

Deshalb:
Ich bin jetzt Spaßbremse!
Ich will keine sexistischen Kommentare machen, und seien sie noch so ironisch. Ich will über keinen sexistischen Witz mehr lachen, auch wenn er im engsten Kreis unter “aufgeklärten” Menschen fällt. Ich will klarmachen, dass Sexismus immer Scheiße und nie lustig ist.

Weil ich will, dass diese Welt eine bessere wird, fange ich mal mit besseren Witzen an…

Weil ich Spaß am Leben haben will. Und vor allem weil ich will, dass jede daran Spaß haben kann!

Zum Weiterlesen über “feminist killjoys”:  http://barnard.edu/sfonline/polyphonic/ahmed_01.htm

Liebe EMMA!

Dieser Brief ist ursprünglich auf müslikinds Blog erschienen.

Liebe Frau Kämper, liebe EMMA-Redaktion,

danke, dass Sie über die Piraten berichtet haben! Das Thema Piratenpartei und Frauen ist lohnend und verdient eine differenzierte öffentliche Diskussion. Bisher ist darüber leider viel Falsches geschrieben worden und das eigentlich Berichtenswerte fiel dabei unter den Tisch. Insbesondere wurden bisher kaum Piratinnen interviewt. Leider bildet Ihr Artikel aber hier keine Ausnahme. Im Gegenteil – ich weiß gar nicht ob ich mich mehr über das Geschimpfe über unsere Männer oder über Totschweigen von uns Frauen ärgern soll. Zu den sachlichen Fehlern im Text hat ein anderer Pirat bereits in seinem Blog Stellung bezogen, dem kann ich mich nur anschließen. Ich habe aber noch einiges hinzuzufügen.

Zunächst möchte ich voranstellen, dass ich seit eineinhalb Jahren Parteimitglied bin, auf drei Bundesparteitagen, zahlreichen Stammtischen, Parteiveranstaltungen und Partys war und über 2000 Personen auf Twitter folge – ein erheblicher Anteil davon dürften Piraten sein. Ich glaube also, dass ich mitbekommen haben müsste, wenn die Piratenpartei ein frauenfeindlicher Haufen wäre.

Eine Äußerung wie die des von Ihnen zitierten anonymen „Piraten-Fans“ ist mir noch nicht untergekommen. Der Artikel suggeriert aber, es würde sich um die heimliche Mehrheitsmeinung der Männer in der Partei handeln. Wenn dem so ist, verbergen sie es äußerst geschickt. Die allermeisten bei den Piraten aktiven Frauen fühlen sich nämlich willkommen und arbeiten gerne mit.

Natürlich gibt es zu wenige Frauen bei den Piraten. Und natürlich stört das viele. Deshalb diskutieren wir viel über das Thema und fragen uns, warum Frauen weniger Politik machen als Männer. Vielleicht stimmt ja mit der Politik was nicht? Schließen wir unbewusst Menschen (vielleicht nicht nur Frauen?) aus? Zahlreiche Blogeinträge, Twitter- und Mumble-Diskussionen sind zu dem Thema entstanden (Mumble ist sowas ähnliches wie Skype. Größere Gruppen können da telefonieren). Die Blogeinträge wären eine gute Lektüre bei der Recherche für Ihren Artikel gewesen! Natürlich gibt es auch Mitglieder, die diese Diskussionen unnötig finden. Und natürlich fallen auch sexistische Witze. Weil wir eine heterogene Gruppe sind und nicht alle die Feminismus-Schule besucht haben. Das sie aber nur diese Meinungen abgedruckt haben, ist sehr einseitig und vermittelt einen völlig falschen Eindruck. Sie würden doch auch nicht ernsthaft empfehlen, dass man sich über Feminismus informiert, indem man Kommentare unter feministischen Blogeinträgen liest? Eben. Ungehobelte Menschen gibt es nämlich überall im Internet. Wir halten es für das Beste, sie gar nicht zu beachten.

Die Menschen, die sich besonders intensiv mit dem Frauen-Thema befassen, haben sich zum „Kegelklub“ zusammengeschlossen. Das ist eine heterogene Gruppe. Die meisten würden Sie als Frauen bezeichnen. Manche nennen sich Pirat, andere Piratin und manche Feministin und andere nicht. Und wir arbeiten alle zusammen, diskutieren, analysieren und sind nicht immer einer Meinung. Das gehört so, denn wir sind eine demokratische Organisation. Wir verfolgen aber gemeinsam das Ziel, dem Frauen-Thema in der Partei Raum zu geben, um zu verstehen, wo das Problem liegt. Und etwas dagegen zu tun. Kürzlich haben wir eine große Online-Umfrage unter den Parteimitgliedern gestartet, um die Einstellungen zum Thema „Gender“ zu erfassen.

Über all das hätten Sie berichten können. Vor allem hätten Sie mit ein paar Frauen sprechen können – an Auswahl mangelt es nicht. Sie hätten etwas gegen das Problem tun können, dass bei uns aktive Frauen mit den Medien haben. Schon nach der Berlin-Wahl fiel uns auf, dass zwar alle Medien über die nur eine Frau im Abgeordnetenhaus berichteten, aber keine Interview-Anfragen an Frauen zu diesem Thema eingingen. Und es geht noch weiter. Marina Weisband hat darüber kürzlich in ihrem Blog berichtet. Nachdem sie bei der Bundes-Pressekonferenz von den Medien „entdeckt“ wurde, kriegt sie zwar inzwischen zahlreiche Interview-Anfragen. Man spricht mit ihr aber nicht über Politik sondern nur über ihr Aussehen, ihre Kleidung etc. Das ist ein Skandal! Hier brauchen wir Medien, die uns Frauen in der Piratenpartei unterstützen! Wir fühlen uns nicht ernst genommen, wenn immer nur über uns (bzw. unsere „Nicht-Existenz“) und nie mit uns über unser politisches Engagement gesprochen wird! Stattdessen machen sie sich über einen Tweet von Marina Weisband lustig, in dem sie sich über Unterleibsschmerzen beklagt. Um den zu verstehen, empfehle ich Ihnen abermals Marinas Blog. Darin erklärt sie, wie sie versucht, ein richtiger Mensch und gleichzeitig Politiker zu sein. Richtige Frauen haben Unterleibsschmerzen. Ich mag Marina gerade deshalb. Weil sie nicht in dunklen Hosenanzügen herumläuft und Politiker-Floskeln von sich gibt.

Über so vieles in Ihrem Artikel möchte ich mich noch empören. Zum Beispiel die Unterstellung, dass Männern Beleidigung, Belästigung und Gewalt Spaß machen. Mit solchen sexistischen Äußerungen erreichen wir sicher ein besseres Miteinander der Geschlechter! Es ist auch eine Unverschämtheit, wenn Sie intensiven Internetnutzern (anscheinend nur Männer) besonders negative Eigentschaften unterstellen und annehmen, dass die Piratenpartei einen Querschnitt dieser Gruppe darstellt.

Sie werden verstehen, dass die feminstische Arbeit bei den Piraten zuweilen frustrierend ist, wenn einem die Medien und selbst die EMMA in den Rücken fallen. Auf differenzierte Darstellungen in der Presse warten wir also weiter vergeblich. Schade!

Ich bin Alltagssexist …. aber ich arbeite daran!

Ich bin ein Alltagssexist. Ich schaue Frauen auf den Hintern und auf ihre Brüste. In der U-Bahn, im Supermarkt oder auch auf der Straße. Werbung mit leichtbekleideten Frauen darin finde ich gut. Wenn mich Frauen nach technischen Sachverhalten fragen, erkläre ich es ihnen anders, als wenn ein Mann mich fragt. Ich verändere das Niveau der Erklärung – nach unten.

Ich schaue beim Überholen von der lahmen Sau vor mir – ist doch bestimmt ‘ne Frau! Wenn ich aus dem Bürofenster jemanden beim Einparken beobachte, der sich besonders kompliziert anstellt, erwarte ich, dass eine Frau aus dem dann parkenden Auto aussteigt. Und wenn ich ehrlich bin: es nervt mich. Und das jeden Tag immer wieder. Ich weiß, dass dieses Verhalten falsch ist. Um genau zu sein, ist es sexistisch. Es entwürdigt andere Menschen, die nicht meinem Geschlecht angehören. Es erklärt sie zu Objekten, raubt ihnen einen Teil ihres Menschseins.

Ich will das alles nicht vorleben, weil es prägt. Noch mehr, es verstärkt und bestätigt sich immer wieder selbst, will mich und andere in vorgegebene Förmchen packen. Förmchen, die nicht zu uns passen. Ich weiß das alles. Ich weiß das alles und dennoch finde ich mich immer wieder in diesem Förmchen. Ich versuche, mich nicht von ihnen formen zu lassen. Versuche auszubrechen, aufzuzeigen, aufzuklären. Es gelingt stellenweise, zeitweise, teilweise. Und dann, wenn ich nicht aufpasse, schnappt das Gummiband zurück und ich ertappe mich wieder dabei, in ihnen zu denken. In diesen Augenblicken schäme ich mich dafür. Vor mir und vor den anderen Geschlechtern.

Dann versuche ich mich zusammen zu reißen, noch besser aufzupassen, noch mehr an mir zu arbeiten. Aber für je zwei Schritte vor kommt gefühlt ein Schritt zurück. Und es wird mir dabei nichts einfach gemacht. Es ist so erschreckend einfach mit zu schwimmen. Ich wurde über die letzten 30 Jahre als Mann sozialisiert. Ich bin in einer sexistschen Umgebung aufgewachsen, ohne das wissen oder reflektieren zu können. Für meine Eltern und mein Umfeld waren die Vorurteile und kleinen Späße gegenüber anderen Geschlechtern kein Problem, wurden auch nicht thematisiert.

Heute weiß ich ob der diskriminierenden Handlungen und Aussagen, musste dieses Wissen aber erst in langen Gesprächen lernen. In langen Gesprächen, in denen mir die Opfer der kleinen Späße und der beleidigenden Äußerungen ihre Sicht, ihr Empfinden und ihre Rezeption dieses, meines Handelns erklärt haben. Es war nicht einfach, zuzuhören, nicht einfach, anzuerkennen, dass ich selbst der Unterdrücker war. Ich brauchte Zeit, zu verstehen, dass ich in dieser Gesellschaft bevorzugt behandelt werde. Ich glaubte, zu den Guten zu gehören und musste feststellen, dass ich trotzdem Schlechtes tat.

Zum ersten Mal mit meinem Handeln konfrontiert sah ich mich gar selbst in der Opferrolle – der Feminismus will mich diskriminieren! Die Beispiele sexistischen Handelns empfand ich als Bedrohung, als Herabsetzung meiner selbst. “So bin ich nicht!”

Heute weiß ich: Ich bin so.

Aber ich will so nicht bleiben. Ich arbeite daran, in langsamen Schritten. Es ist ein schwerer Weg, der sich aber lohnt zu gehen. Und während ich so diesen Weg gehe, sage ich mir, wer und was ich bin, damit ich nicht so bleibe: Ich bin @herrurbach und @acid23 und ich bin Alltagssexist. Ich arbeite daran.

Positionspapier: Equalismus – Positionen zur Geschlechtergerechtigkeit

Zum Bundesparteitag der Piratenpartei gibt es ein Positionspapier. Federführnd waren erklärte Kegelklubmitglieder. Solltet ihr den Antrag unterstützen wollen, so könnt ihr das hier tun: http://wiki.piratenpartei.de/Kegelklub/PositionspapierEqualismus Den Antrag selbst seht ihr hier: http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/Q102

Antragstext:

Die Piratenpartei erkennt Sexismus als ein noch nicht überwundenes Problem unserer Gesellschaft an. Viele Menschen sind durch die an ihr Geschlecht geknüpften Rollenbilder und Erwartungshaltungen in ihrer individuellen Freiheit und ihren Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt. Dieser Zustand ist für die PIRATEN, zu deren obersten Zielen die freie Entfaltung des Individuums gehört, nicht haltbar.

Noch immer wird Kindern anerzogen, dass ein bestimmes Verhalten für ihr Geschlecht unpassend sei, bestimmte Berufsfelder werden als für das männliche oder weibliche Geschlecht unangemessen deklariert. Beispielsweise erhalten Frauen noch immer in vielen Berufsfeldern weniger Gehalt als Männer und Männer werden oft in Sorgerechtsfragen benachteiligt.

Wir streben eine Gesellschaft an, in der Menschen nicht mehr aufgrund ihres biologischen oder sozialen Geschlechtes, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer selbstgewählten Identität oder anderer Eigenschaften benachteiligt werden oder Rollenerwartungen ausgesetzt sind. Jeder Mensch ist ein einzigartiges Individuum, dessen Individualität zu respektieren und zu unterstützen ist. Davon unberührt ist die eigene Freiheit, für sich die Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu definieren. Diesen Idealzustand einer “postgender” Gesellschaft streben wir an.

Piraten unterstützen Emanzipationsbewegungen

Die Piratenpartei sieht sich in einer emanzipatorischen Tradition. Die Frauenbewegung hat vieles zur Emanzipation der Menschen beigetragen, für das wir dankbar sind. Auch begrüßen wir eine emanzipatorische Bewegung seitens der Männer, die andere Männlichkeitsbilder einfordert. Wir wollen diese Emanzipationsbestrebungen fortführen und weiterdenken, uns aber nicht von außen vorschreiben lassen, welche Ziele wir übernehmen und welche Instrumente wir bei diesem Prozess verwenden.

Zu den wichtigsten Zielen, die wir unterstützen und für deren Verwirklichung wir uns einsetzen wollen, zählen die Dekonstruktion des sozialen Geschlechtes, die Gleichstellung und echte Chancengleichheit der verschiedenen Geschlechter und die Abkehr vom binären Geschlechterdenken. Wir betrachten Emanzipation und Gleichstellung als Gemeinschaftsprojekte, die nur in gesellschaftlicher Gesamtanstrengung geleistet werden können. Die Unterstützung einer Emanzipationsbewegung bedeutet für uns nicht, dass wir andere Gruppen benachteiligen oder als weniger wichtig betrachten wollen.

Equalismus als Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Verpflichtung

Unter dem Begriff “Equalismus” wollen wir verschiedene Aspekte der Emanzipationsbewegungen aufgreifen. Er steht für die Emanzipation und Entdiskriminierung des Einzelnen bei Beibehaltung aller individuellen Eigenschaften, die Menschen sich selbst zuschreiben. Jeder Mensch soll die Identifikationshoheit über die eigene Identität haben.

Aus diesem Bekenntnis folgt für uns ein Handlungsauftrag.

Am Anfang steht hierbei das Schaffen eines Bewusstseins, sowohl in Form einer inneren Emanzipation als auch eines gesellschaftlichen Diskurses, der gegen sexistische Strukturen ankämpft. Wir alle müssen uns der Rollenzwänge, mit denen wir aufwachsen, die wir verinnerlicht haben und mit denen wir manchmal auch andere konfrontieren, bewusst werden. Wir wollen eine Gesellschaft anstreben, in der diese Zwänge niemanden in seiner freien Entfaltung limitieren.

Außerdem wollen wir kontinuierlich an unseren internen Strukturen arbeiten, damit es allen möglich ist, sich gleichberechtigt innerhalb der Partei zu engagieren. Dazu wollen wir unter anderem Hierarchien durch das Konzept transparenter und neutraler Netzwerke ersetzen, um Macht dynamischer zu verteilen, zu egalisieren und teilweise aufzulösen. Die Piraten haben hier bereits eine solide organisatorische Basis, die entsprechend einer netzwerkorientierten Politik ausgebaut werden soll.

Eichhörnchendebatten-HowTo. Oder: Hausaufgaben für den Bundesparteitag (beta)

Liebe Piraten,

der BPT steht an und wir werden höchstwahrscheinlich einiges an Debatten über Frauen in der Piratenpartei und über Feminismus und Eichhörnchen und Quoten und was es sonst noch so an Zuckerwatte gibt führen.
In piratigen Diskursen über diese Themen kristallieren sich oft die immer gleichen Missverständnisse und Vorurteile heraus, auf die wir im Folgenden gerne eingehen würden, damit wir im Dezember gemeinsam konstruktiv und vorwärts diskutieren können, anstatt zum 20. Mal langwierig zu klären, warum eine Quote eben NICHT „Frauen diskriminiert, weil die dann wegen ihres Geschlechts eingestellt werden und sie Männern den Job wegnehmen“, sondern gemeinsam an einer Alternative zur Quote basteln können (die vielleicht aus ganz vielen anderen Gründen nicht in die Piratenpartei passt).

Auf geht’s:

Feminismus/Feministinnen sind doof, weil Alice Schwarzer/Antje Schrupp/Julia Schramm/$Sockenpuppe…!

Feminismus über einen so groben Kamm zu scheren ist weder richtig noch konstruktiv. Das ist in etwa wie wenn wir die Behauptung „alle Nerds sind Haarig und eklig“ aufstellen und mit Stallmans besonderer Affinität zu seinen Fußnägeln begründen würden.

Bei uns kann doch jeder mitmachen

Jeder von uns schließt höchstwahrscheinlich mit seinem Verhalten Menschen aus. Und das ohne Absicht. Nur weil unsere Stammtische öffentlich sind, heißt das nicht, dass sich dort jeder wohl und willkommen fühlt. Genau das ist aber eine Grundvoraussetzung dafür, dass wir ein möglichst breites Spektrum an Piraten anziehen und letztlich dazu ermutigen können, sich zu beteiligen.

Wie man das besser machen kann steht zum Beispiel hier:

Auch: Leute, die anderer Meinung sind, nicht persönlich und vor allem nicht unter der Gürtellinie angreifen. Sich fragen, ob man an diesem Shitstorm jetzt wirklich teilnehmen muss. An Ausrufezeichen sparen. Sich nicht wie eine offene Hose verhalten.

Die Quote ist diskriminierend, weil…

Steht dein Argument eventuell hier dabei?

;)

Aber die Männer!

Engagement für Gleichberechtigung– und auch Feminismus– ist nicht nur die Auseinandersetzung mit der Ausgrenzung von Frauen. Es geht um den Kampf gegen Gesellschaftsstrukturen, die uns allen nicht gerecht werden. Frauen und Eichhörnchen haben in dieser Gesellschaft allerdings meistens die größere Arschkarte gezogen. Das heißt nicht, dass wir verkennen, dass z.B. auch Jungs unter dem Männlichkeitszwang, dem viele von ihnen ausgesetzt sind, leiden. Es heißt aber auch nicht, dass nicht eine kleine Gruppe von Feministinnen für alle zuständig sein kann.
Der Vorwurf, dass Frauen, die für echte Gleichberechtigung kämpfen ( und sich meist als Feminstin bezeichnen), diskriminierend agieren, weil sie sich nicht auch noch explizit für gebeutelte Männer einsetzen, ist so dreist, absurd und bräsig, dass mir seit Tagen keine sinnvolle Antwort zu diesem Punkt einfällt.
Das ist unser gemeinsamer Kampf.
Wir leiden alle unter den herrschenden Strukturen.
Hilf halt mit, statt andere für ihr Engagement anzuraunzen.

Wir haben doch Frauen und die fühlen sich bei uns wohl.

Genau, und das ist auch toll! Lustigerweise hatte aber bisher jede Piratin, die ich danach gefragt habe, einen größtenteils männlichen Freundeskreis und/oder arbeitete in einem männerdominierten Beruf. Kann man für einen Zufall halten (genauere Erhebungen sind in Arbeit). Tue ich aber nicht. Auch Frauen sind keine homogene Gruppe und der Mangel an nicht-Dudettes kann ein Indikator dafür sein, dass wir eine Attraktivitätslücke haben.
Wir sind eine politische Partei, vom Grundgesetz explizit geschützt– es ist unsere Aufgabe, allen Facetten der Gesellschaft und allen Facetten der Politik irgendwie aufmerksam zu folgen.
Auch: Vollständige Induktion über Frauen funktioniert so nicht.

Ich lass’ mir doch nicht den Mund verbieten a.k.a
Ihr reagiert über. Seid doch mal lustig! Habt ihr keinen Humor?

Dinge wie „keine sexistischen Witze reißen“ erscheinen leicht banal und gleichzeitig überzogen: Natürlich ist das doch alles nur Spaß und natürlich will niemand hier Frauen an den Herd ketten.

Wenn wir den Anspruch erheben, eine Mitmachpartei zu sein, bedeutet das auch, dass wir dafür sorgen müssen, dass sich jeder der mitmachen will, wohl und willkommen fühlen kann. Das hat nichts mit Zensur zu tun, sondern mit einem Mindestmaß an Empathie.
Stell dir zum Beispiel mal folgende Situation vor: (wir gehen jetzt mal davon aus, dass du ein Mann bist, das ganze geht natürlich auch analog mit anderen Merkmalen)

Du kommst in eine Gruppe, in der du niemanden kennst. Es ist vielleicht das erste Mal, dass du in einer Gruppe dieser Art sitzt. Bevor ihr wirklich zum Thema kommt, witzelt ein frisch von ihrem Freund getrenntes Gruppenmitglied über $KlischeeÜberMänner. Der Rest lacht verhalten. Sie spricht dich den Rest des Abends über nur noch mit „Schwanz“ an. Nachdem ihr konstruktiv an spannenden Dingen gearbeitet habt, fragt ein anderes Gruppenmitglied dich ohne sich vorher mit dir unterhalten zu haben nach deiner Telefonnummer, offensichtlich nicht zum Austausch über das Gruppenthema. Während des ganzen Treffens werden Insiderwitze gemacht, die du nicht verstehst und die dir niemand erklärt.
Wie hoch ist deine Motivation, dieses Treffen noch einmal zu besuchen?

Auch wenn der Rest der Gruppe furchtbar nett war, kann das Verhalten von Einzelnen Neulinge sehr abschrecken. Vieles davon ist sicherlich nicht böse gemeint. Es trägt dennoch dazu bei, dass jemand, der sich eh schon weit außerhalb seiner comfort zone bewegt sich noch fremder fühlt.

Dein Stammtisch/Crewtreffen ist nicht deine Clique. Menschen, die dich nicht kennen, wissen vielleicht nicht, dass du gewisse Witze/Bemerkungen nicht so meinst. Wenn du Interesse daran hast, dass wir mehr und bunter werden, verhalte dich an diesen Orten so, dass sich nicht nur dein näheres Umfeld, sondern alle wohl fühlen können.

Feminismus = Quote

Diese Verkürzung entspricht ungefähr Piraten = Internetpartei. Die Quote ist ein Tool, kein Ziel.
Für einige Feministinnen hat sie ihre Daseinsberechtigung. Das heißt nicht, dass jeder Quotenpositive Feminist die Quote überall für sinnvoll hält (geschweige denn sie durchdrücken will). Für mehr Information zu einer Diskussion über Quoten GOTO „Die Quote ist diskriminierend, weil…“
Und nur zur Sicherheit: der Kegelklub war sich bisher darin einig, dass die Quote ein innerhalb der Piratenpartei ungeeignetes Instrument ist. (Da wir ein loses Kollektiv sind, können wir aber natürlich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit für alle Kegelklublerinnen sprechen)

Feminismus ist sowas von 80s (lacht)
Schön wärs!

    • Frauen sind in Karrierefragen oft immer noch benachteiligt. Sei es Gehalt, potentielle Schwangerschaft, etc. Es gibt sogar immer noch Männer, die öffentlichen sagen, dass Frauen keine Chefs sein können. So wegen Hormonen und so.
    • 2/3 der Teilzeitjobs werden von Frauen gemacht. Oftmals unfreiwillig und nur mit finanzieller Unterstützung von Partner oder Staat.
    • In Deutschland sind ein Bruchteil der Führungspositionen weiblich besetzt. Statt dessen herrscht in weiten Teilen immer noch eine Puff-Kultur, die einem vielen Männern genauso wenig gerecht wird, wie Frauen.
    • In den letzten Jahren gab es einen enormen Zuwachs an geschlechtsspezifischem Kindespielzeug– also rosa Glitzerkram für liebe Mädchen, blau/grünes Technikspielzeug für abenteuerlustige Jungs und nichts dazwischen.
    • Produkte werden immer noch mit nackten meist weiblichen Körperteilen beworben. Und Laien wiederholen gebetsmühlenartig: Sex sells.
    • Biologistische Argumentationen und Publikationen sind allgegenwärtig. Dabei werden wissenschaftliche Standards verletzt, um “Frauen/Männer sind SO …” argumentieren zu können. Repräsentative Studien, die z.B. zeigen, dass es keinerlei geschlechtsspezifische Unterschiede bei Gehirnaktivitäten gibt, schaffen es mangels “Sensation” nicht in die Massenmedien.
    • Während einige sich den Arsch aufreißen, um MINT-Studiengänge attraktiver für Frauen zu machen, machen Informatikdekane immer noch fröhlich Bordellwitze in Vorlesungen.
    • Piraten verstecken sich hinter „Frauen sind halt so“ bzw. “Wir haben das alles überwunden!” //naja, letzteres is
    • das Transsexuellengesetz ist immer noch in Kraft
    • wir haben es immer noch nicht auf die Reihe bekommen, Politik attraktiv für Frauen zu machen (und das gilt für alle Parteien.)
    • Jungs, die nicht dem traditionellen Männlichkeitsbild entsprechen, werden immer noch gemobbt
    • Vergewaltigungsopfer müssen sich immer noch rechtfertigen, dass sie nicht „selbst schuld“ sind bzw. müssen sie immer noch darum kämpfen, dass ihnen überhaupt geglaubt wird
    • Wir bringen Kindern immer noch je nach biologischem Geschlecht unterschiedliche Verhaltensweisen bei und erzählen dann, typisches Jungsverhalten sei „besser“ bzw. “erfolgreicher”
    • es gibt immer noch einen Markt für solche Shirts: http://www.thinkgeek.com/tshirts-apparel/womens/e630/
  • Mario Barth füllt das Olympiastadion. ‘Nuff said.

Aber wir sind doch Post-Gender
… Und wir leben in einem Land, in dem jedem das Recht auf sichere Existenz und Gesellschaftliche Teilhabe gewährt wird, in dessen Hauptstadt man fahrscheinfrei U-Bahn fahren kann, dessen Politiker Transparenz nicht als Buzzword, sondern als Arbeitsgrundlage sehen, in dem wir nicht seit Jahren immer und immer wieder Vorratsdatenspeicherung und Netzsperren erklären müssen…

Nur weil etwas in unserem Parteiprogramm steht, „sind“ wir es noch lange nicht. Nicht mal in unserem kuscheligen Piratenkosmos. Auch wenn viele von uns viel Zeit innerhalb der Partei verbringen, so hat unsere Umwelt doch einen Einfluss auf uns (und wir hoffentlich auch auf sie). Viele Mitglieder unserer Partei sind was Gleichberechtigung angeht ein ganzes Stück weiter als die Norm. Wir sind dennoch alle in einer sexistischen Gesellschaft aufgewachsen, unter der viele von uns – Männlein wie Weiblein wie Eichhörnchen – gelitten haben. Das hat Spuren hinterlassen. Post-Gender ist wie die oben erwähnten Piratenthemen eine Utopie, auf die wir hinarbeiten müssen.

Oh. Ups. Und jetzt?

Eure Liste ist unvollständig
Bestimmt! Über Ergänzungen und Anregungen freuen wir uns sehr.

– Autorinnen: @lotterleben, @laprintemps

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