Liebe Presse, wir müssen reden.

Wir, die “Frauen in der Piratenpartei” – und unsere Selbstzuschreibungen sind wesentlich komplexer als die Medien das gerne hätten, das geht von “(weiblicher) Pirat”, “männliche Piratin”, “Piratin” über “als Frau sozialisierter Mensch” und “Mensch mit zwei x-Chromosomen” bis zu “transsexuelles Eichhörnchen” – sind mehr als nur dieses “Frau-Sein”, auf das wir stets reduziert werden. Wir sind auch ganz sicher mehr als nur zwei Brüste, und wir haben keine Absicht, diese auf irgendwelche Kandidaten-Listen oder in Kameras zu schieben, nur weil die Medien das gerne hätten und meinen, dass wir andernfalls ja völlig unter den Tisch fallen würden.

Wir haben es schon oft betont, müssen aber offenbar noch einmal daran erinnern: Es gibt sehr viele aktive (na, sagen wir der Einfachheit halber mal) Piratinnen, die sich durch die stets gleichen, verständnislosen, blöden Fragen der Presse verärgert fühlen könnten. Als wäre ihre Parteiarbeit nichts wert, weil sie NICHT auf der Kandidatenliste stehen wollten.

Hinzu kommt, dass das ‘Frauenproblem’ zu einem sehr großen Teil durch die Wahrnehmung der Presse, die am etablierten Politikbetrieb geschult wurde, generiert wird. Auf die Frage “Warum steht nur eine Frau auf der Liste?” könnte man antworten “Weshalb ist das relevant? Und Wofür?” Wen oder was soll diese Liste repräsentieren? Warum ist es so wichtig, wer da drauf steht? Eines unserer Kernelemente ist unsere basisdemokratische Struktur: JEDER (und jede usw.) hat etwas zu sagen und JEDE/R, nicht nur die *ganz wichtigen Abgeordneten, die jetzt alles bestimmen werden* kann mitwirken und Einfluss auf den Kurs der Partei haben.

Es scheint ganz so, als wollten die Medien dieses Problem auf eine bestimmte Weise wahrnehmen, denn das gibt eine Story, und zwar eine, die sich schnell und einfach erzählen lässt. Die Komplexität des Problems “weibliche und sonstige Teilhabe” wird dabei unzureichend erfasst. Durch die platte und undifferenzierte Fragestellung wird das “Frauenproblem” reproduziert und am Leben erhalten, teilweise gar erst erschaffen. Das it schade und unnötig. Natürlich gibt es Probleme, über die wir gerne konstruktiv reden möchten. Die Frage “Hat die Piratenpartei ein Frauenproblem?” hilft da jedoch nicht weiter. Liebe Presse, ihr schreckt hiermit viele interessierte Frauen ab, die wir freudig und freundlich aufgenommen hätten! Macht Euch doch einmal die Mühe, etwas genauer hinzuschauen, fragt doch einfach mal einige der Piratinnen, wie es ihnen geht und was ihre Beweggründe sind. Und erschreckt euch nicht vor differenzierten Antworten!

Das Engagement von Frauen in der Politik (und in technischen Berufen und wo nicht sonst noch überall) sehen wir auch als ein GESAMTGESELLSCHAFTLICHES Problem. Statt auftrumpfend die Piratenpartei als eine “frauenfeindliche” Partei entlarven zu wollen, sollte man fragen, was generell in unserer Gesellschaft verändert werden könnte oder müsste, damit ALLE Menschen (und u.a. Frauen) besser teilhaben können. (Wir würden uns auch über Fragen freuen wie “Wo sind die Handwerker auf eurer Liste? Wo die Menschen mit anderem kulturellen und ethnischen Hintergrund? Wo die auf andere Art und Weise in der Gesellschaft Benachteiligten?”)

Hinweise wie “Selbst die CDU hat mittlerweile eine Quote” sehen wir nicht als Ansporn. Stattdessen wollen wir lieber herausfinden, warum eventuell weniger Frauen (oder Eichhörnchen oder schüchterne Piraten oder…) für Listenplätze kandidieren, damit eine solche Liste repräsentativer auch für die Menge der aktiven Piraten wird und niemand ausgeschlossen wird. Und auch wissen, ob das überhaupt Not tut.

Es gibt bei uns durchaus verschiedene kontroverse Positionen zu einer Quote, viele halten sie eher nicht für das schlussendliche und allein selig machende Mittel, da sie die Einordnung von Individuen in ein binäres Geschlechtersystem erfordert und damit Heteronormativität reproduziert.

Es gibt kein Problem für eine Frau, wenn sie kandidieren wollte. (Eher im Gegenteil.) Es sind keine Fälle bekannt, wo Frauen, die für etwas kandidiert haben, nicht gewählt wurden, weil sie FRAUEN sind. Dass aber viele Frauen nicht kandidieren wollten, kann man ihnen nicht zum Vorwurf machen.

Wer  uns ernst nimmt – und vorgeblich nimmt man uns ernst, wenn man sich  Sorgen um unsere Position in der Piratenpartei macht und damit  Schlagzeilen füllt – sollte uns auch ernst genug nehmen, mit uns  persönlich zu sprechen. Wenn gutmeinende Presse nicht mit uns, sondern nur über uns redet, ist das nicht emanzipatorisch, sondern im Gegenteil paternalisierend.
Für eine Reportage über aktive Piratinnen kann man uns gerne kontaktieren. Aber die Frage “Und wieso engagiert man sich als Frau in der Piratenpartei?” sind wir reichlich satt. Die wird nicht mal mehr mit einem müden Lächeln quittiert. Wir engagieren uns als Menschen und nicht als Frauen in der Piratenpartei. Denkt mal drüber nach.

(Verfasserin: @_noujoum)

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49 Antworten zu “Liebe Presse, wir müssen reden.

  1. #Hach

    Danke :)

    • 125

      viel zu lang…”Für eine Reportage über aktive Piratinnen kann man uns gerne kontaktieren. Aber die Frage „Und wieso engagiert man sich als Frau in der Piratenpartei?“ sind wir reichlich satt. Die wird nicht mal mehr mit einem müden Lächeln quittiert. Wir engagieren uns als Menschen und nicht als Frauen in der Piratenpartei”…..hätte völlig ausgereicht, der restliche text wiederspricht diesem auszug. textlich bewegt sich der beitrag zwischen -beleidigtes mädchen- und transsexuellem Eichhörnchen.

      ”Durch die platte und undifferenzierte Fragestellung wird das „Frauenproblem“ reproduziert und am Leben erhalten, teilweise gar erst erschaffen”

      natürlich, besonders durch lange nörgelaufsätze im internet.

  2. interessant
    danke für diese Stellungnahme
    an ein paar Punkten stimme ich zu. ein paar andere finde ich viel zu kurz gedacht.
    aber für eine längere Antwort fehlt mir momentan einfach die Zeit. Sie wird aber kommen.

    Viele Grüße
    die Kadda

  3. armin

    Die Vermutung ist ja gerade, dass es Gründe gibt warum so wenige Frauen kandidieren oder auch nur Mitglied werden wollen. Welche das sind, darüber solltet Ihr Euch nach Meinung der großen Mehrheit der Euch wohlgesonnenen Kommentatoren eben ernsthaft Gedanken machen, und nicht immer aus einer Abwehrhaltung heraus flapsige, unüberlegte und zu kurz greifende Antworten herausschleudern. Ihr dürft natürlich auch eine Klientel- und Ein-Thema-Partei bleiben; vielleicht wäre das für unsere gemeinsamen politischen Anliegen sogar gar nicht mal so schlecht.

    • Lotterleben

      Darüber _wollen_ und werden wir uns auch Gedanken machen. Es ist allerdings schade, dass das torpediert wird, indem man von uns Quoten fordert, weil die CDU ja auch welche hat, und eventuell interessierte Mitstreiterinnen abschreckt, indem man uns als Frauenfeindliches Männerklüngel darstellt. Wir empfangen jede (und jeden), die mit uns über diese Gründe diskutieren möchte und konstruktive Vorschläge und Ideen hat, mit offenen Armen.
      Ich freu mich drauf, in den nächsten Wochen viel zu lernen.

    • Das Problem der sozialen Gleichstellung der Geschlechter ist nicht allein eine Frage des Handeln, sondern zum grossen Teil der Wahrnehmung. Wenn in der öffentlichen Wahrnehmung die Piratenpartei als frauenfeindlich gesehen wird, dann hat es einen grossen Einfluss auf Neumitglieder und die interene Aktivität. Die Bemühung auch aus Gender-Sicht interessante Vorstände oder Listen für Kandidaturen zusammen zu stellen, wird untergraben. Viele junge Kandidatinnen und Kandidaten werden abgeschreckt, wenn sie Medienaufmerksamkeit auf sich zukommen sehen, die sich unverhältnismässig für ihr Gender interessiert.

  4. Hurz

    Danke. Ausserdem prangeren –> prangern.

  5. Pingback: menschenskind / frauenprobleme bei den piraten und andere mediensorgen

  6. TeMeL

    Der Ansatz: „Wir in der Piratenpartei sehen Menschen als Menschen und unterteilen nicht in Männer, Frauen, Schwarze, Homosexuelle und sonstwas, jeder kann bei uns mitmachen“ ist ja super. Oder sagen wir die Einstellung ist super, ich würde mir wünschen jeder Mensch auf der Welt würde aufhören zu unterscheiden und zu kategorisieren. Das ist aber de facto nicht so, es wird unterteilt und es gibt über jede Gruppe Vorurteile. Selbst wenn manch einer die Kraft hat Vorurteile zu überwinden, sind sie meistens doch in ihm vorhanden.
    Ich denke es reicht nicht aus einfach zu sagen: Wir diskriminieren keinen, wir unterscheiden nicht, also wenn ihr mitmachen wollt, kommt her. Diskriminierung muss nicht immer aktiv geschehen, damit sich eine bestimmte Gruppe ausgegrenzt fühlt, oftmals reichen auch schon Vorurteile oder einfach persönliche Beobachtungen.
    Als ich auf meinen ersten Stammtischen eigentlich andauernd (jetzt ist das zum Glück fast immer anders) die einzige Frau war und zu allem Überfluss auch noch die Jüngste und die Kleinste sowieso, hemmte das mein Engagement und auch wenn mir Argumente zu Themen auf der Zunge lagen, traute ich mich bei der Übermacht an Männern nicht mich einzumischen.
    Will mir jetzt ernsthaft jemand erzählen „Dann hast du eben ein Problem, oder Minderwertigkeitskomplexe, dann bist du schuld, wir sind tolerant und diskriminieren nicht.“, um damit fein raus zu sein? Seit wann sind Diskriminierungsopfer schuld an ihrem Problem? Sicher, man kann sich auch in etwas reinsteigern. Aber oftmals ist Ausgrenzung eben auch ein subjektiver Eindruck, gegen den aktiv angekämpft werden muss. Ich wäre damals wahrscheinlich nicht weiter zum Stammtisch gekommen, wenn mein Freund nicht gewesen wäre und mich ermutigt hätte. Heute bin ich froh, dass ich meine Stimme gefunden habe und die Kraft mich durchzusetzen. Aber ich bin mir sicher, dass viele Frauen oder auch andere „Minderheiten“ ähnlich wie ich fühlen und sich einfach nicht trauen mitzumachen, weil sie sich unterlegen oder unverstanden fühlen. Auch Vorurteile mögen wie gesagt dazu beitragen.
    Und dagegen sollten wir aktiv etwas tun! Nicht einfach behaupten, dass wir nicht diskriminieren und uns egal ist ob Aktive männlich oder weiblich sind. Ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen ist denke ich einfach naturgegebenermaßen für alle heilsam und konstruktiv. Außerdem trauen sich bei ausgewogenen Verhältnissen sicherlich auch die stillen Stimmen sich einzumischen und zu äußern.
    Schön natürlich trotzdem, dass Piraten aktiv nicht diskriminieren wollen. Die Verantwortung für diejenigen, die es trotzdem so empfinden, sollte aber damit nicht enden.

    Liebe Grüße

    TeMeL

    • Lotterleben

      Hi TeMeL,
      was hätte denn in deiner Situation dazu beitragen können, dass du dich (auf anhieb/schneller) wohler gefühlt hättest?

      • TeMeL

        Wahrscheinlich schon die Tatsache, dass auch Frauen vertreten sind und sich zu Wort melden hätte mich bestärkt oder eventuell auch, dass man mich einfach mal nach meiner Meinung fragt und anspricht und nicht ignoriert (zugegeben, letzteren Punkt sieht jeder anders)

        Ich habe einen Linktip, eine Szene aus dem Film The Kings Speech (Wichtig sind hiervon eigentlich gerade nur die Szenen ab 5:50) http://www.youtube.com/watch?v=sR61knxcg_g

        Diese Szene zeigt ganz gut, dass manche Menschen Selbstbewusstsein haben, es aber nich von Anfang an nach außenhin zeigen. Ich möchte erreichen, dass nicht nur die Menschen zu uns kommen, die sowieso schon selbstbewusst sind, sondern auch die, die erst zaghaft sind, denen eventuell noch Zutrauen zu sich selber und Bestätigung fehlt. Denn erstens haben oftmals auch die gute Ideen und Fähigkeiten und zweitens entwickeln sie dadurch vielleicht Selbstbewusstsein. Ich würde es gerne sehen, dass wir diejenigen an die Hand nehmen, die noch nicht so sicher sind und sie nicht abschrecken. Es ist ja wie gesagt schon mal super, dass wir uns einig sind nicht diskriminieren zu wollen. Aber ich glaube es wäre gut wenn wir an dieser Stelle noch einen Schritt weiter gehen, sprich auf die Menschen zugehen, die sich noch nicht recht trauen.

  7. Alloha,

    ich möchte jetzt nicht mit dem Eifer des bekehrten Sprechen, grundsätzlich mag ich die Betonung basisdemokratischer Werte. Und es ist ja auch echt eine feine Idee, mit dem Imperativen Mandat, die Macht liegt bei den Unterstützern (in dem Fall bei der Partei) und der Abgeordnete setzt nur das um was die Mehrheit im Vorfeld beschlossen hat.

    Leider ergeben sich daraus ein paar Probleme.
    Zuerst mal ein Systeminheräntes, weil die Abgeordneten sind die Abgeordneten der gesamten Bevölkerung. Eine Bindung an Parteibeschlüsse steht der Freiheit des Mandats entgegen. Der Abgeordnete ist nur seinem Gewissen verpflichtet. Ich finde es schade, dass wir das Fraktionsprinzip so weit tradiert haben. Man könnte sich auch anders zusammenschließen. Aber das ist noch nicht das große Problem. Das kann man anders leben und Abgeordnete die sich nicht daran halten nicht mehr aufstellen. Ist ok.
    Aber es ist durchaus eine Frage der Repräsentation. Die meisten von uns sind keine Transsexuellen Eichhörnchen. Die meisten werden nicht einmal verstehen, was du damit sagen willst. Um es ganz einfach auszudrücken: Diejenigen welche alle Mitnehmen wollen, erkennt man daran dass sie alle mitnehmen.

    Aber es gibt noch ein anderes Problem an der Stelle. Politik ist Kleinstarbeit. Da geht es oft um Themen, die keine Sau interessieren. Dann geht es auf einmal um die Bereitstellung von Mitteln für die Selbsthilfegruppe “Menopause”, die wegen Bürokratiequatsch nur noch über einen juristischen Trick förderbar ist. Man verfasst ein Papier dazu, gibt es in Umlauf und bekommt keine einzige Rückmeldung. Eigentlich nicht schlimm. Dafür hat man ja wieder die Fraktion, in der noch andere Leute sitzen, die dafür bezahlt werden, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Die frage ist, kann das ein Team, das nicht vielfältig aufgestellt ist? Zumindest bei den Fraktionsmitarbeiter_innen solltet ihr dann ja doch bevorzugt Frauen einstellen, um das Team zu verbessern.

    Nebenbei, ich habe den Eindruck, dass ein paar eurer Abgeordneten hohe Genderkompetenz aufweisen. Ich glaube es wäre Sinnvoller das herauszustellen, anstatt die Problematik zu verleugnen. Das wir (noch) nicht in einer Post-Gender-Gesellschaft leben, ist denke ist unstrittig. Und lass es mich mal so sagen; bei “Mensch ärger dich nicht” gewinnt man ja nicht weil man die Figuren ins Ziel stellt. Sondern durch würfeln.

    Ich wünsch euch von Herzen viel Glück beim Würfeln.

    @PhilippWeis
    UB-Vorsitzender der Jusos-Saarpfalz

  8. Wolle

    Die Sache ist doch ganz einfach. Die PP hat nunmal mehr männliche Mitglieder, bedingt durch den Schwerpunkt Netzpolitik, der vor allem IT-ler interessiert, und die sind eben mehrheitlich männlich. (Das ist natürlich sehr vereinfacht ausgedrückt; klar hat die PP auch andere Schwerpunkte, klar sind nicht alle IT-ler männlich usw.). Und wenn es (deutlich) mehr männliche Mitglieder gibt, warum sollten dann überproportional viele Frauen kandidieren? Das Problem greift tiefer; hier gilt es eher, die klassischen gesellschaftlich gefestigten Geschlechter-Bilder in Frage zu stellen (Warum sind den Programmierer hauptsächlich männlich usw.). Hier ist die PP eher ein Spiegel der Gesellschaft. Einen Mangel an Frauen-Kandidaten zu reklamieren ist aber halt einfach und passt schön ins Bild. Wenn ein weibliches Mitglied kandidieren will, wird diesem sicher kein Stein in den Weg gelegt, ganz einfach. Wenn ein weibliches Mitglied “nur” mitarbeiten und helfen will, wird diesem auch kein Stein in den Weg gelegt.
    So. Das war mein Senf dazu.

    Und warum fordert eigentlich niemand eine Geschlechterquote im Vorstand des Modellbahnverbandes?!

    • Das ist ja ein Problem das schon seit mehr als einem Jahrzehnt angegangen wird. Prominentes beispiel ist der Girls-Day mit dem Frauen für technische Berufe begeistert werden sollen. Inzwischen gibts übrigens auch einen Boys-Day der Männer für Berufe in Soziale und Pflege- Berufe bringen soll.

      Wenn du das so schreibst klingt das, als ob die Gesellschaft die Piraten entern soll. Das ist doch nicht euer Anspruch oder?

      Weil der Modelbahnverband keine Funktion politischen System der BRD hat. Mit anderen Worten: Er ist relativ uninteressant. Ud das unterscheidet ihn von euch.

      • Wolle

        Du weisst schon, dass das mit dem Modellbahnverband nicht ganz ernst gemeint war…
        Natürlich gibt es diese Bemühungen (Förderung männlicher Kindergärtner, weiblicher Elektriker oder ähnliches), und das ist auch genau der richtige Ansatz. Aber das geht eben nicht von heute auf morgen.

  9. Danke! Aber ist es nicht schlimm, dass man so einen Artikel überhaupt schreiben muss!?

  10. Hi!

    Ich stimme mit euch vollkommen überein, insbesondere im Punkt der Heteronormativität. Auch wenn man heute noch so tolerant sein will, so tun sich viele immer noch schwer, nicht in Bildern zu denken. Einiges ist auch Erziehungssache und nicht so leicht abzuschütteln.

    Ich sehe es absolut ähnlich: Vördergründig sind wir alle Menschen. Da spielt das Geschlecht keine Rolle, die Hautfarbe keine Rolle, wir sind alle Menschen. Glauben die Leute etwa, dass da bei den Piraten in der Wahlkabine so n Typ steht “Wie, wat, ne Frau? Sowat wähl ich nich, die kennt sich mit Technik doch übahaupt net aus!”? Das Bild, das ich vom Piratenwähler habe, und soweit auch noch nicht enttäuscht darin wurde, ist eher ein differenziert blickender Wähler. Mir ist es vollkommen egal, ob ich eine Frau oder einen Mann wähle, ich gehe nach Inhalten. Ich lese mich schlau, schaue, wofür die einzelnen Personen stehen und wäge dann ab, wem ich meine Stimme gebe. Alles andere wäre gegen 300 Jahre Aufklärung (was nicht heisst, dass es heute nicht passiert *seufz*). Ich glaube, die, die immer fragen, wo denn die “Frauen in der Piratenpartei bleiben”, haben selbst noch ein gehöriges Problem mit ihrem Mann-zentriertem Weltbild.

    Von daher: Weiter so!

  11. Emil Zapata

    Hervorragender Beitrag, mach weiter so! Ein herzliches Danke von einem junggebliebenen Revolutionär.

  12. pan

    Den Modellbahnverband hätte ich übrigens nicht gewählt. Wie @PhilippWeis das so schön mit der „Mensch ärger dich nicht“ Metapher klar macht: Post Gender ist nichts, wozu man sich einfach definieren kann. Gerade dieser Anspruch benötigt einen tiefgreifenden Diskurs, um überhaupt zu verstehen was er bedeutet. Aber das ist genau der schmerzhafte Diskurs ,den die Piraten eigentlich vermeiden wollten. Damit zeigt sich, dass es tatsächlich ein Problem gibt: Zu jedem anderen Thema wäre die Strategie “Problem erkennen – transparent kommunizieren – Lösungen finden – ändern”. Beim Thema Gender geht der Kopf in den Sand. Dabei kostet der Versuch, am Thema Gender vorbeizukommen, mehr Zeit und Energie, als sich zu informieren, vernünftig zu diskutieren und Lösungen zu finden. Wenn dabei am Ende keine Quote herauskommt um so besser.

    Netter und schmerzloser Einstieg ins Thema Gender z.B. hier: http://www.youtube.com/watch?v=zmlwM0i1yCw

    Viel Erfolg!

  13. Knuddelmuff

    Dankeschön für diesen tollen Beitrag! Ich bin zwar kein Pirat, aber hab die Frage “Was sagst du eigentlich zum Thema XYZ, so als Frau?” auch schon oft genervt und die aktuelle Diskussion um eure Position zum “Genderproblem” reizt diese Frage ja so richtig aus.

  14. Niemand

    wo ist denn hier der flattr Button? :)

  15. “Es sind keine Fälle bekannt, wo Frauen, die für etwas kandidiert haben, nicht gewählt wurden, weil sie FRAUEN sind.”

    Das geht sogar so weit, dass es seit Leenas Kandidatur auf dem BPT 2010.1 in Bingen keine Frau mehr gab, die zum Landes- oder Bundesvorstand kandidiert hat, das aber nie wurde (außer eine, die “nur” KV-Vorstand wurde).

    http://wiki.piratenpartei.de/Frauen_im_Vorstand

  16. Woher kommt eigentlich die Überzeugung, Piraten hätten sich nicht mit Gender beschäftigt und würden nix von verstehen? Macht sich das noch an etwas anderem fest, als einer anderen Meinung?

    • pan

      Ja, nämilich daran, dass eine Metadiskussion geführt wird, ob eine Genderdebatte nötig sei, anstatt direkt eine Genderdebatte zu führen. Die Metadiskussion ist dabei eine Art Nebelmaschine “wir haben uns mit Gender beschäftigt” – nein eben nicht, wir haben uns damit beschäftigt, ob wir uns mit Gender beschäftigen.

      • gastus

        Aber erlaubt ist dabei doch nur, zur selben Schlußfolgerung wie die Grünen zu kommen. Das verstehe ich bei all dem nicht ganz. Auf mich wirkt das paternalistisch und vereinnahmend. Es scheint, die Frauen und Männer (und …), die fordern, die Piraten sollten eine (andere) “Genderdebatte führen”, machen ihre Identität scheinbar anders an ihrer biologischen Ausstattung fest als die lieben Piraten und Piratinnen es tun. Sie verhandeln es anders, sie haben andere Vorstellungen, sie haben andere eigene Perspektiven. Sie blenden es nicht aus.

        Aber nun kommt die eine (mehr oder weniger feministische) Seite an, und sagt nicht etwa, interessant, so seht ihr das also, na wir sind da ja nicht so von überzeugt und machen das anders – nein, sie will keinen Diskurs, sie sagt stattdessen: ihr macht das falsch, ihr versteht es nicht, ihr seht es nicht, man muss es euch erklären, und dann müsst ihr es so-und-so-machen. Das nervt. Mich als Beobachter. Dieser absolute im-Besitz-der-Wahrheit-sein-Anspruch. Der gerade bei dem Thema aber von keiner hard science gedeckt ist. Es gibt 1000 Hypothesen, warum so wenige Frauen bei den Piraten mitmachen wollen. Welche wäre denn nachprüfbar?

  17. Frank Li

    Willkommen bei der ersten postfeministischen Partei Deutschlands. Die Frauenversteher von SPON und Konsorten sollten sich vergegenwärtigen, was sich die etablierten Parteien mit ihrem Quotendenken eingehandelt haben. Mir fallen da sofort das irakkriegsgeile Doppel-Quoten-Merkel, die zensurgeile Supernanny von der Leyen, das Verbraucherschutz-Plazebo Aigner und das akademische Rechenwunder Koch-Mehrin ein. Was könnte dem Ansehen und Selbstverständnis der Frauen in Deutschland größeren Schaden zufügen als diese Kakophonie, die Ergebnis einer falsch verstandenen Emanzipation ist.

  18. Mal was ganz Triviales.

    Ein paar Mädelz hier aus dem Dorf fanden den Piraten-Erfolg in Berlin großartig und würden gerne “da” mitmachen, weil “die was machen, wofür wir uns auch einsetzen könnten”. Sie haben sich dann im Internet mal umgesehen, ob es in der Nähe einen Stammtisch gebe (gibt es).

    Alle Fünf waren nach dem Rumsurfen restlos bedient und werden wieder in die politische Starre zurückfallen.

    Hier gibt es kein schnelles Internet, keine EDGE/GPRS/UMTS-Versorgung. Der nächste größere Supermarkt, wo man wenigstens etwas mehr Auswahl hat als beim 5 km entfernten Penny, ist 25 km weit weg. Die CDU-Seilschaften haben sich in über 50 Jahren bequem eingekuschelt. Busse fahren dreimal am Tag, morgens. mittags, abends. Es gäbe politisch auf der ganzen Linie viel zu tun.

    Sandra, Marianne, Vanessa, Elke und Hansa würden gerne was machen. Das begreifen sie sehr praktisch. Sie sind in Vereinen und setzen sich für soziale Projekte ein, bei denen sie auch (z.B. in der Altenpflege, in der freiwilligen Feuerwehr) herzhaft mit anpacken. Sie haben ihre festen sozialen Bindungen, ihr Wort gilt etwas und sie sind aufgrund ihrer Verwurzelung und langer Kenntnis der hiesigen Gegegbenheiten in der Lage, etwas zu bewegen.

    Man müsste sie nur motivieren.

    Mit den Worten Gender, transsexuell, Heteronormativität etc. und den dahinter befindlichen Begrifflichkeiten können sie nichts anfangen und fühlen sich ausgegrenzt. Sandra sagt, “wenn das nur mit Uni geht, brauch ich das nicht”. Ein Studium hat hier niemand. Theoretische Debatten können sie nicht. Hier wird gemacht.

    Es wäre hilfreich, abseits theoretischer Fragen zu überlegen, wie Menschen mitgenommen werden können, die Multiplikatoren sind. Politik zum Anfassen heisst auch, so zu sprechen, dass es verstanden wird. Egal, wo.

    Die Mädelz, um die es (sicher nicht alleine) hier geht, stehen bereit und müssen nur abgeholt werden. Bitte seilt euch aus den Elfenbeintürmen ab. Es gibt Leben jenseits der akademischen Theorien.

    • Die Mädelz könnten einen eigenen Piratenstammtisch aufmachen. Wenn man sie kennt und sie eine Stimme haben, werden weitere kommen. :-)

      • Andrea

        Das finde ich eine gute Idee. Sollen wir einen Termin im Kinski ausmachen?

  19. Pingback: Ich will aber! | müslikind

  20. mixedfrog

    Klugscheiß: Die CDU hat keine Quote sondern nen Frauenquorum!
    Die haben auf lokaler Ebene ähnliche Probleme wie ihr:

    “In der CDU führt das Frauenquorum tendenziell zu einer Erhöhung des Frauenanteils in höheren Führungsebenen der Partei, während die Maßnahme in den unteren Parteiebenen weniger Wirkung entfaltet. Primärer Grund ist der Mangel an weiblichen Kandidaten auf lokaler Ebene.” Wikipedia

    Bloss das keiner drüber spricht… Was ne tendenzielle Erhöhung ist wüsste ich zudem auch gern.

  21. Herzlichen Dank für diesen Beitrag!
    Ich bin diese ständigen Fragen “Wie fühlst du dich als einzige Frau unter den ganzen Männern so? Da musst du dich doch sicher total durchkämpfen, oder?” jedenfalls ziemlich leid. In meinem Kreisverband bin ich die einzige aktive Frau – na und? Darum behandeln mich meine Jungs aber nicht anders oder schlechter, nur weil ich Brüste habe. Wir sind eine kleine, eingeschworene Truppe, und wenn noch Leute aus Erlangen und Nürnberg dazu kommen, sind sogar so einige Mädels dabei – und fast alle mit einem Amt betraut. Wozu Quoten? Dann müssten wir auch erfassen, wer homosexuell ist, einer ethnischen Minderheit angehört oder eine Schwerbehinderung hat. Meiner Meinung nach ist das DISKRIMINIERUNG. Nicht umsonst wollen wir dieses ganze pseudoemanzipatorische “Piratinnen”-Getue nicht – warum auf einem überholten Makel herumtrampeln, anstatt neue Werte zu feiern? Ich bin bei den Piraten zum ersten Mal wirklich auf Menschen gestoßen, die zuerst einmal hinter die Fassade sehen, interessiert zuhören und vollen Einsatz für das gemeinsame Ziel geben, ohne sich darum zu scheren, was andere vielleicht sagen könnten oder sich um dumme Sprüche zu sorgen – und solche Integrität ist mittlerweile wirklich selten. Auf meine Jungs lasse ich jedenfalls nix kommen, sucht euch also gefälligst andere Opfer! ;-)

    • leckmich

      Klar, die meisten freuen sich über aktive Mitpiraten, ob Männlein oder Weiblein ist erstmal völlig egal. Aber Weiblichkeit (“Brüste”) ist kein Manko. Frauen sind keine Minderheit. Frauen werden dennoch gern in einem Atemzug mit Randgruppen und Benachteiligten gennant. Bravo!

      Ich bin selbst aktive Piratin & kann deine Aussagen über die Partei großteils bestätigen. Die Piratenpartei hebt sich in geradezu zauberhafter Weise vom Rest ab. Nicht. Langsam aber sicher bin ich wütend auf die ganzen Mitpiratinnen, die lieber krampfhaft ihre Augen verschließen. Statt ihre Arme hochzukrempeln und erhobenen Hauptes (“Brüste raus”) gegen frauenfeindliche Sexismen zu kämpfen.

  22. Heidrun

    Hallo, ich bin die Verfasserin des ‘Wegen der Eichhörnchen’ – Eintrags im blog und möchte versuchen, hier ein bisschen zu helfen.

    Ich entschuldige mich für den apodiktischen Stil (‘A ist b’ statt ‘ich finde, A ist b’) – das ist nur der Kürze halber, natürlich gebe ich nur meine Sicht wieder.

    Ich nehme die Piraten als post-gender-Partei ernst, obwohl und vielleicht gerade weil sie es gerade wird. Es geht nämlich um Prozesse und nicht um einen Status, post-gender handeln macht die post-gender-Partei, nicht das Etikett.

    Die Piraten haben es hier mit einem Angriff zu tun, den sie für sich nutzen können. Die Strategie der Kritiker besteht darin, durch fortwährende Häufung und Streuung von Aussagen des gleichen Inhalts den Vorwurf wahr zu machen und damit einerseits Frauen von den Piraten fernzuhalten, andererseits sowohl Frauen als auch Männer in der Partei in permanente Rechtfertigungs-Fallen zu treiben. Gleichzeitig besetzen sie Begriffe und Definitionen (‘Feminismus’, ‘Gleichstellung’ ..), das Ziel ist eine Definitionshoheit von außen über Personen, Strukturen und Prozesse innerhalb der Partei. Die Piraten können den Druck ausnutzen, indem sie in Sachen post-gender offensiv nach vorn gehen.

    Als Transfrau kenne ich diese Spielchen nur allzu gut. Tatsächlich kann man bei etlichen Kritikern und -innen transphobe Tendenzen erkennen, aber das nur nebenbei.

    Offensiv nach vorn gehen – wie?

    Disqualifizierung von falschen ‘Eigenverantwortung’-Argumenten. Diese liegen im gesellschaftlichen mainstream – eben darum disqualifizieren. Diese Argumente sind, auf die Spitze getrieben, das zynische ‘selbstschuld': ‘Selbstschuld’ dass du als Mädchen in einem gender-Käfig aufgewachsen bist, ‘selbstschuld’ dass du keine reichen Eltern hast, ‘selbstschuld’ dass du erst lernem musst, dich zu behaupten … Es gibt hier Ungleichheiten, punktum, Die Aussage: ‘Niemand behindert Partizipation von Frauen bei den Piraten’ ist falsch, es hindert sie sehr wohl etwas, nämlich der gesamte misogyne (frauen-feindliche) kulturell-gesellschaftliche ‘Apparat’ der deutschen Gesellschaft. Jeder schräge Blick auf eine Frau, die einen Rechner repariert, ist eine Aussage, von denen besagte Frau täglich Dutzende abbekommt und denen sie zeit ihres Lebens ausgesetzt ist, bis sich das ändert. Hier sieht man, wie infam es ist, den Piraten hierfür auch noch die Schuld zuzuschieben. Die Antwort hier lautet Feminismus, nämlich ein piratiger, von Frauen und Männern getragener, selbst definierter und selbstbestimmter Feminismus, der natürlich ein post-gender-Feminismus sein muss.

    Post-gender-Feminismus? Heißt post-gender nicht, dass es ‘in Wirklichkeit’ ‘Männer’ und ‘Frauen’ gar nicht gibt? Nein, das heißt es nicht, das ist ein fahrlässiger Umgang mit der Queer-Theorie. Transfrauen zum Beispiel sind Frauen, die Frauen sein wollen. Ist ja fein, wenn man uns dafür feiert, dass wir das bipolare Geschlechtsschema herausfordern, aber wenn es darauf hinausläuft, dass wir ‘in Wirklichkeit’ doch keine Frauen sind, nimmt man uns das Recht, selbst zu definieren, was wir sind, schon wieder weg. Gleichzeitig ist es OK und zu verteidigen, wenn jemand sich as genderqueer definiert oder Intersex ist. Aber vor allem sollten cisgender-Frauen (Frauen, mit weiblichen Genitalien geboren, die sich als Frauen definieren) im Rahmen eines post-gender-Feminismus selbst definieren und bestimmen, was es – für sie! – heißt, Frauen zu sein, und welche Handlungen und Forderungen sich daraus ableiten. Mit fremdbestimmten Definitionen und Begrifflichkeiten wird es nämlich nichts mit dem post-gender-Feminismus.

    Zu dem ernsten Problem, das Opalkatze angesprochen hat: Es ist nicht das Versäumnis der Piraten, dass Generation nach Generation deutscher Schülerinnen und Schüler politische Analphabeten sind. Da muss selbst organisierte politische Bildung her. Wir haben es hier mit sehr komplexen Problem zu tun, und nicht nur hier – ein kurzer Blick auf Probleme wie Klimawandel, Biodiversität, globale Wirtschaft etc. zeigt das. Anti-intellektuelle Reflexe nutzen hier gar nichts, das Spiel heißt empowerment. Selbst organisierte politische Bildung ist auch darum hochwichtig, weil Zugang zu Bildung mehr und mehr vom Geldbeutel abhängt. Auch hier besteht die Gefahr, bei falschen ‘Eigenverantwortung’-Argumenten zu landen.

    Hier ist schon mehrfach der Aussage ‘Wir sind eine post-gender-Partei, also gehen uns diese ganzen Probleme nichts an’ heftig widersprochen worden. Das ist gut so, denn eine post-gender-Partei gehen alle diese Probleme etwas an, sie sind zentrale Anliegen einer post-gender-Partei, sonst ist sie nämlich keine. Post-gender kann man streng genommen nicht sein, sondern nur tun: denken, sprechen, handeln, politisch agieren, post-gender-Verhältnisse schaffen.

    Ein Beispiel. Ich rufe: ‘Was für ein tapferer, kämpferischer Mensch!’ Na, wer hat sich unwillkürlich einen Mann vorgestellt? Nicht schämen. Ändern.

    Damit dies hier nicht doch noch zum Artikel ausufert (tschuldigung …) hänge ich noch zwei links zu Texten von Julia Serano an. Diese befassen sich zwar mit Transfrauen, aber auch und gerade mit Feminismus und Selbstbestimmung. Ich hoffe, sie inspirieren.

    http://www.juliaserano.com/av/Serano-TransInvalidations.pdf

    http://www.alternet.org/reproductivejustice/93826/rethinking_sexism:_how_trans_women_challenge_feminism/

  23. Udo Lihs

    “Auf die Frage „Warum steht nur eine Frau auf der Liste?“ könnte man antworten „Weshalb ist das relevant? Und Wofür?“

    Genau SO muss reagiert werden! Super!

  24. Janna

    Ich finde es ehrlich gesagt einfach armselig, jeden Versuch einer Genderdiskussion mit dem Verweis auf die Existenz von Transgenderlebewesen abzuwehren, die ja durch die Frauenquote total benachteiligt würden (obwohl die sich, wie schon geschrieben, teilweise durchaus als Männer oder Frauen definieren!). Genausogut könnte man jede Debatte über Rassismus ablehnen mit Verweis auf Leute, die sich wegen ihrer buntgemischten Herkunft keiner klaren Kategorie zugehörig fühlen, und überhaupt, allein die Existenz dieser Kategorien sei rassistisch. Ist sie ja auch, aber ändert das etwas daran, dass man als dunkelhäutiger Mensch hierzulande so manche Probleme hat, die ein hellhäutiger nicht hat? Wohl kaum. Also sollte man auch drüber reden. Und zwar nicht nur darüber, ob es “Rasse” überhaupt gibt und geben darf, sondern konkret darüber, was man tun kann, damit dunkelhäutige Menschen leichter eine Wohnung oder einen Job finden, im Ausländeramt besser behandelt werden (falls sie keinen deutschen Pass haben) usw.

    Mag ja sein, dass viele der bei den Piraten aktiven Frauen sich überhaupt nicht diskriminiert fühlen und sich aktiv einbringen (natürlich ohne dabei Mandate zu wollen, Frauen fühlen sich halt einfach im Rampenlicht nicht so wohl… sie wirken lieber hinter den Kulissen… hach, sind wir postgender…), aber das greift dann doch ein bisschen kurz, wenn man nicht die Frauen anschaut, die von ihrer Grundeinstellung vielleicht zu den Piraten eine Affinität hätten, aber sich dort eben nicht engagieren. Klar, das kann man jetzt alles auf die böse Presse abschieben. Das wäre die einfache Variante. Oder man könnte sich überlegen, wie man sich auch mal für Politikfelder öffnen könnte, die bestimmte bislang bei den Piraten unterrepräsentierte Bevölkerungsschichten interessieren und dazu motivieren könnten, sich einzubringen. Ich z.B. habe (als Frau) durchaus Sympathien für die Piraten und könnte mir tendenziell vorstellen, auch politisch aktiv zu sein. Ich finde aber erstens dieses ganze abgehobene Transgendergelaber ziemlich abstoßend und zweitens und vor allem das Parteiprogramm so total an meiner Lebenswirklichkeit als berufstätige Mutter von drei Kindern vorbei, dass ich mich nicht durchringen konnte, euch zu wählen. Und das Argument “Dann bring dich doch bei uns ein” zieht auch nur begrenzt, schließlich hat man hierzulande ja die Auswahl unter mehreren Parteien… Zusammengefasst, eine Partei, die sich mit Rauscherfahrungen in der Schule befasst, aber für das Thema Familie keinen halben Satz übrig hat (für das Thema Migration übrigens auch nicht, so viel zu der anderen offensichtlich unterrepräsentierten Gruppe), die wirkt auf mich eben wie ein postpubertärer weißer Männerhaufen. Wie schon geschrieben wurde: Nein, man muss nicht persönlich betroffen sein, um eine sinnvolle Meinung zu einem Thema zu haben, aber man sollte dann auch nicht davor weglaufen, darüber nachzudenken.

    Ich bin übrigens noch nicht einmal ein Fan von Quoten. Es gibt sicher bessere Lösungen. Alles auf die Transgender-Meta-Ebene zu heben ist aus meiner Sicht aber keine bessere Lösung; und eine Partei, die sich basisdemokratischer Partizipation verschrieben hat, sollte sich schon überlegen, ob bei einer derart unausgewogenen Mitgliederbasis ein basisdemokratisches Parteiprogramm nicht im Ergebnis wie eine Ansammlung persönlicher Betroffenheitsthemen weißer junger männlicher ITler aussehen wird und nicht wie ein ehrlicher Versuch, die zentralen Themen unserer Gesellschaft anzusprechen. Schon allein deswegen ist eine Debatte über die ausgewogene Zusammensetzung von Basis UND Repräsentanten (denn eine Partei, die fast nur von Männern repräsentiert wird, wird einfach keine Massen von Frauen anziehen, so postgender sind wir nicht) notwendig, wenn die Piratenpartei – was ich prinzipiell gut fände – ihren Erfolg aufrechterhalten will.

  25. Pingback: Willkommen bei johanna-pink.de » Blog Archive » Die Piraten und die Frauen

  26. Ritter Quzani

    Erst einmal wollte ich sagen: Schöner Artikel. Ich empfinde ihn weder als Rechtfertigung noch als Angriff aus einer Abwehrhaltung heraus, wie manche behaupten. Eher als provokatives Statement.

    Im großen und ganzen finde ich einige Statements gut. Besonders der letzte Absatz gefällt mir. Ich lese hier besonders eine Sache raus: Menschen sollten in Führungspositionen, Ämtern, auf Listen, etc. sitzen, weil sie das Wissen und die Fähigkeiten besitzen diese Arbeit oder das Amt auszuführen und nicht, weil sie ein spezifisches Merkmal aufweisen (Migrant, Geschlecht, Behinderung, etc.). Genauso wie es bei Bewerbungsverfahren für eine Arbeitsstelle längst gefordert und im Antidiskriminierungsgesetz verankert ist. Der Mensch im Ganzen, seine Fähigkeiten und sein Wille eine Arbeit, ein Projekt oder Politik zu machen, ein Problem zu lösen oder Lösungen auf Grund von Fakten oder Ideen und Ansätzen zu schaffen. Das zählt und nicht ein bestimmtes Merkmal… denn wer darauf schaut und Quoten fordert, nur um ein bestimmtes Statement zu generieren, ist genauso diskriminierend wie diejenigen, die sie an den Pranger stellen. Quoten lösen keine (politischen) Probleme und verändern keine Gesellschaft. Aufklärung und Diskutieren und Nachdenken schon eher. Zumal wenn wir anfangen für alles und jeden Quoten zu fordern… Wo fangen wir an? Wo hören wir auf? Wenn wir Frauenquoten fordern, brauchen wir auch Transsexuellen-Quoten, Behinderten-Quoten, Behinderte-Transsexuellen-Quoten, Quoten für jede Hautfarbe, jede kulturelle Herkunft, für Kinder und Jugendliche, Rentner, Weiß- und Rothaarige, etc. etc. etc. Und genau da liegt der Hund begraben. Wie jeder, der nur ein bisschen nachdenken kann, hier bereits sieht… ein unmögliches, utopisches und schwachsinniges Vorhaben. Wir brauchen in erster Linie Menschen in der Politik, die gewillt sind, Probleme zu lösen, Projektarbeit zu leisten und lösungsorientiert denken und handeln. Nicht mehr und nicht weniger.

  27. Klarnamenverweigerer

    Sorry fürs doppelte Posting, denn ich habe denselben Kommentar schon bei den Berliner Piraten hinterlassen:

    “Wir sind auch ganz sicher mehr als nur zwei Brüste”
    Das ist ein Bonmot erster Güte. Und das meine ich nicht ironisch.

    Toll geschrieben!

    – ein “männlicher” Pirat (was auch immer das heißen soll)

  28. Pingback: Leseempfehlungen (004) | weezerle

  29. JungSozialistin

    Sehr erfrischend ist dieser Text im Bereich Frauenquote.
    Diese Frische erkennt man auch im Stil des Textes wieder. Da erkennt man Lernpotential.. ;-)
    Zumal ich in meiner Partei sehr kritsich dieser Frauenquote gegenüberstehe.
    Meine Frage ist auch immer: Warum überhaupt den Finger draufzeigen, wir Frauen kommen doch ganz gut klar? Allerdings habe ich dennoch die Notwendigkeit für mich erkannt, da die Gleichberechtigung noch lange nicht in Gänze praktiziert wird…mittelweile teils in beiden Richtungen..^^
    Ich bin sehr gespannt, wie sich dieses Thema bei euch durchsetzen wird.
    Ich würde mir persönlich wünschen, dass eure Strategie funktioniert. Ich bin aufjedenfall gespannt!

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