Wir sind Umgezogen

Es ist so weit– Peter Amende hat uns ein tolles eigenes Theme gebaut, das wir nun auf unserer eigenen Seite zum Einsatz bringen. Ihr findet unseren Blog fortan unter:

kegelklub.net/blog

Meta-Statement des Kegelklubs zur Berliner Erklärung

oder: Warum wir uns noch nicht zur Berliner Erklärung positionieren.

Am 15. Dezember wurde die parteiübergreifende “Berliner Erklärung” http://www.berlinererklaerung.de zu einer Frauenquote für Aufsichtsräte in Deutschland veröffentlicht.
Die frauenpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus wollen eine gemeinsame Pressemitteilung zu dieser Erklärung veröffentlichen. In diesem Zusammenhang haben einzelne Piraten-Fraktionsmitglieder eine Position des Kegelklubs gefordert.
Der Kegelklub rät Simon Kowalewski, als frauenpolitischem Sprecher der Piraten-Fraktion, nach eigenem besten Wissen und Gewissen zu entscheiden, ob er die Erklärung mit unterzeichnen möchte oder nicht. Wir halten es nicht für möglich, innerhalb der nächsten 4 Tage (Laufzeit der Berliner LQFB-Schnell-Initiative) eine differenzierte Position zu dieser komplexen Frage zu entwickeln.
Wir bieten Simon an, ihm bei der argumentativen Ausarbeitung seiner Entscheidung zu helfen. Als Kegelklub werden wir perspektivisch daran arbeiten, eine Position zur Frage der Quoten in der Wirtschaft zu entwickeln und unseren eigenen Lernprozess dabei nachvollziehbar zu dokumentieren.
Zu der Frage, wie die Piratenpartei zu Quoten in der Wirtschaft steht, wollen wir eine breitere Diskussion mit allen an dem Thema Interessierten initiieren.
In einem ersten Schritt wollen wir eine Mumble-Diskussion veranstalten.
Wir laden alle Interessierten herzlich dazu ein, sich an dieser Diskussion zu beteiligen. Da das Thema Quote allerdings ein sehr kontroverses ist, bei dem oft ähnliche Fragen auftauchen, möchten wir alle Teilnehmenden bitten, vorher ein paar klärende Blogposts zu lesen, die wir als vorbereitende Lektüre rechtzeitig an dieser Stelle veröffentlichen werden.
Unsere entwickelte Position soll dann als Diskussionsvorschlag und Grundlage für die interne Willensbildung zurück in die Partei gegeben werden.

Warum spaßbremsen Spaß macht!

oder:
Humor ist, wenn man trotzdem nicht lacht

Letzte Woche gab es im Rahmen des 28c3 den wunderbaren Workshop “Feminist Flashback” von und mit Kadda und Lotte.
Wie meistens in solchen Runden war die thematische Bandbreite relativ groß, aufgegriffen wurden unter anderem einige verbale Entgleisungen während des Kongresses. Dazu gehört auch der Trend in IT-affinen Kreisen, statt des “DAUs” (dümmster anzunehmender User)  von der Mutter / Oma / Schwester zu sprechen, wenn es um jemanden geht, der von Technik keine Ahnung hat. Also z.B. “Erklär das mal so, dass es auch Deine Mutter versteht.”
Die Workshoprunde war sich einig, dass diese Entwicklung von einem geschlechtsneutralen Kürzel zu einer sexistischen Stereotypisierung ein Schritt in die ganz falsche Richtung ist.
Denn auch, wenn diese Aussage lustig sein soll oder ironisiert wird, so verfestigt sie doch ein Rollenbild, demzufolge Menschen weiblichen Geschlechts per se weniger technikaffin sind.

Was mich zu meinem Punkt bringt.
Bei mir fing es mit Bauklötzen und Legotechnik an, setzte sich mit dem Physik-LK fort und endete (vorerst) in einem stark männerdominierten Job. Ich habe mir über die Zeit angewöhnt, auf die Thematisierung meines Geschlechts mit beißender Ironie zu reagieren. “Ich krieg das schon hin, ich bin ja kein Mädchen” war da noch harmlos.
Wenn Witze über Frauen gerissen wurden, habe ich gerne noch einen drauf gelegt (oder drunter, wenn es um das Niveau geht…). Warum? Um zu zeigen, wie knallhart und supertough ich bin, dass mir all diese Sprüche und Witze nichts anhaben können und ja, wohl auch, um mich von den „Mädchen“ zu distanzieren.

Aber was habe ich damit erreicht?
Dass mich die Menschen in meinem Umfeld ernst nehmen und respektieren lag wohl eher nicht an meinem Repertoire sexistischer Witze, sondern an meinen Fähigkeiten und meinem Charakter. Klar gehört Humor auch dazu, aber rassistische Witze habe ich ja auch nicht gemacht.

Wahrscheinlich habe ich mit meinem Verhalten wohl vor allem zwei Punkte erreicht:

1. Ich habe dazu begeitragen, dass Sexismus gesellschaftsfähig bleibt.
Indem ich signalisiert habe, dass solche Witze ja „gar nicht so schlimm” sind, vielleicht sogar „total in Ordnung“, weil ja „starke Frauen“ sowas locker abkönnen. Und wenn es einer Frau gegenüber ok scheint, dann kann man so einen Spruch ja auch bei anderen Gelegenheiten reißen. Vielleicht verweisen sie dabei dann sogar auf mich, um ihren Seximus zu rechtfertigen. Und dann hört jemand so einen Witz, nicht wissend, dass der Sprecher / die Sprecherin es ironisch meint, oder, schlimmer noch, hat nicht das Mindset, solche Sprüche als sexistische Kackscheiße abzutun.

2. Ich habe also selbst sexistische Rollenbilder zementiert.
In meinem Kopf, in den Köpfen derer in meinem Umfeld, aber eben auch darüber hinaus. Unser Gehirn kann mit Negativ-Informationen nicht viel anfangen. (Denke jetzt NICHT an einen rosa Elefanten!) Was hängen bleibt, sind stereotype Muster wie eben „Frauen können keine Technik“, „Frauen muss Mann immer helfen“, „Frauen können nicht logisch denken“…
Und das ist doch gerade das, was ich nie, nie, nie wollte!!

Deshalb:
Ich bin jetzt Spaßbremse!
Ich will keine sexistischen Kommentare machen, und seien sie noch so ironisch. Ich will über keinen sexistischen Witz mehr lachen, auch wenn er im engsten Kreis unter “aufgeklärten” Menschen fällt. Ich will klarmachen, dass Sexismus immer Scheiße und nie lustig ist.

Weil ich will, dass diese Welt eine bessere wird, fange ich mal mit besseren Witzen an…

Weil ich Spaß am Leben haben will. Und vor allem weil ich will, dass jede daran Spaß haben kann!

Zum Weiterlesen über “feminist killjoys”:  http://barnard.edu/sfonline/polyphonic/ahmed_01.htm

Liebe EMMA!

Dieser Brief ist ursprünglich auf müslikinds Blog erschienen.

Liebe Frau Kämper, liebe EMMA-Redaktion,

danke, dass Sie über die Piraten berichtet haben! Das Thema Piratenpartei und Frauen ist lohnend und verdient eine differenzierte öffentliche Diskussion. Bisher ist darüber leider viel Falsches geschrieben worden und das eigentlich Berichtenswerte fiel dabei unter den Tisch. Insbesondere wurden bisher kaum Piratinnen interviewt. Leider bildet Ihr Artikel aber hier keine Ausnahme. Im Gegenteil – ich weiß gar nicht ob ich mich mehr über das Geschimpfe über unsere Männer oder über Totschweigen von uns Frauen ärgern soll. Zu den sachlichen Fehlern im Text hat ein anderer Pirat bereits in seinem Blog Stellung bezogen, dem kann ich mich nur anschließen. Ich habe aber noch einiges hinzuzufügen.

Zunächst möchte ich voranstellen, dass ich seit eineinhalb Jahren Parteimitglied bin, auf drei Bundesparteitagen, zahlreichen Stammtischen, Parteiveranstaltungen und Partys war und über 2000 Personen auf Twitter folge – ein erheblicher Anteil davon dürften Piraten sein. Ich glaube also, dass ich mitbekommen haben müsste, wenn die Piratenpartei ein frauenfeindlicher Haufen wäre.

Eine Äußerung wie die des von Ihnen zitierten anonymen „Piraten-Fans“ ist mir noch nicht untergekommen. Der Artikel suggeriert aber, es würde sich um die heimliche Mehrheitsmeinung der Männer in der Partei handeln. Wenn dem so ist, verbergen sie es äußerst geschickt. Die allermeisten bei den Piraten aktiven Frauen fühlen sich nämlich willkommen und arbeiten gerne mit.

Natürlich gibt es zu wenige Frauen bei den Piraten. Und natürlich stört das viele. Deshalb diskutieren wir viel über das Thema und fragen uns, warum Frauen weniger Politik machen als Männer. Vielleicht stimmt ja mit der Politik was nicht? Schließen wir unbewusst Menschen (vielleicht nicht nur Frauen?) aus? Zahlreiche Blogeinträge, Twitter- und Mumble-Diskussionen sind zu dem Thema entstanden (Mumble ist sowas ähnliches wie Skype. Größere Gruppen können da telefonieren). Die Blogeinträge wären eine gute Lektüre bei der Recherche für Ihren Artikel gewesen! Natürlich gibt es auch Mitglieder, die diese Diskussionen unnötig finden. Und natürlich fallen auch sexistische Witze. Weil wir eine heterogene Gruppe sind und nicht alle die Feminismus-Schule besucht haben. Das sie aber nur diese Meinungen abgedruckt haben, ist sehr einseitig und vermittelt einen völlig falschen Eindruck. Sie würden doch auch nicht ernsthaft empfehlen, dass man sich über Feminismus informiert, indem man Kommentare unter feministischen Blogeinträgen liest? Eben. Ungehobelte Menschen gibt es nämlich überall im Internet. Wir halten es für das Beste, sie gar nicht zu beachten.

Die Menschen, die sich besonders intensiv mit dem Frauen-Thema befassen, haben sich zum „Kegelklub“ zusammengeschlossen. Das ist eine heterogene Gruppe. Die meisten würden Sie als Frauen bezeichnen. Manche nennen sich Pirat, andere Piratin und manche Feministin und andere nicht. Und wir arbeiten alle zusammen, diskutieren, analysieren und sind nicht immer einer Meinung. Das gehört so, denn wir sind eine demokratische Organisation. Wir verfolgen aber gemeinsam das Ziel, dem Frauen-Thema in der Partei Raum zu geben, um zu verstehen, wo das Problem liegt. Und etwas dagegen zu tun. Kürzlich haben wir eine große Online-Umfrage unter den Parteimitgliedern gestartet, um die Einstellungen zum Thema „Gender“ zu erfassen.

Über all das hätten Sie berichten können. Vor allem hätten Sie mit ein paar Frauen sprechen können – an Auswahl mangelt es nicht. Sie hätten etwas gegen das Problem tun können, dass bei uns aktive Frauen mit den Medien haben. Schon nach der Berlin-Wahl fiel uns auf, dass zwar alle Medien über die nur eine Frau im Abgeordnetenhaus berichteten, aber keine Interview-Anfragen an Frauen zu diesem Thema eingingen. Und es geht noch weiter. Marina Weisband hat darüber kürzlich in ihrem Blog berichtet. Nachdem sie bei der Bundes-Pressekonferenz von den Medien „entdeckt“ wurde, kriegt sie zwar inzwischen zahlreiche Interview-Anfragen. Man spricht mit ihr aber nicht über Politik sondern nur über ihr Aussehen, ihre Kleidung etc. Das ist ein Skandal! Hier brauchen wir Medien, die uns Frauen in der Piratenpartei unterstützen! Wir fühlen uns nicht ernst genommen, wenn immer nur über uns (bzw. unsere „Nicht-Existenz“) und nie mit uns über unser politisches Engagement gesprochen wird! Stattdessen machen sie sich über einen Tweet von Marina Weisband lustig, in dem sie sich über Unterleibsschmerzen beklagt. Um den zu verstehen, empfehle ich Ihnen abermals Marinas Blog. Darin erklärt sie, wie sie versucht, ein richtiger Mensch und gleichzeitig Politiker zu sein. Richtige Frauen haben Unterleibsschmerzen. Ich mag Marina gerade deshalb. Weil sie nicht in dunklen Hosenanzügen herumläuft und Politiker-Floskeln von sich gibt.

Über so vieles in Ihrem Artikel möchte ich mich noch empören. Zum Beispiel die Unterstellung, dass Männern Beleidigung, Belästigung und Gewalt Spaß machen. Mit solchen sexistischen Äußerungen erreichen wir sicher ein besseres Miteinander der Geschlechter! Es ist auch eine Unverschämtheit, wenn Sie intensiven Internetnutzern (anscheinend nur Männer) besonders negative Eigentschaften unterstellen und annehmen, dass die Piratenpartei einen Querschnitt dieser Gruppe darstellt.

Sie werden verstehen, dass die feminstische Arbeit bei den Piraten zuweilen frustrierend ist, wenn einem die Medien und selbst die EMMA in den Rücken fallen. Auf differenzierte Darstellungen in der Presse warten wir also weiter vergeblich. Schade!

Ich bin Alltagssexist …. aber ich arbeite daran!

Ich bin ein Alltagssexist. Ich schaue Frauen auf den Hintern und auf ihre Brüste. In der U-Bahn, im Supermarkt oder auch auf der Straße. Werbung mit leichtbekleideten Frauen darin finde ich gut. Wenn mich Frauen nach technischen Sachverhalten fragen, erkläre ich es ihnen anders, als wenn ein Mann mich fragt. Ich verändere das Niveau der Erklärung – nach unten.

Ich schaue beim Überholen von der lahmen Sau vor mir – ist doch bestimmt ‘ne Frau! Wenn ich aus dem Bürofenster jemanden beim Einparken beobachte, der sich besonders kompliziert anstellt, erwarte ich, dass eine Frau aus dem dann parkenden Auto aussteigt. Und wenn ich ehrlich bin: es nervt mich. Und das jeden Tag immer wieder. Ich weiß, dass dieses Verhalten falsch ist. Um genau zu sein, ist es sexistisch. Es entwürdigt andere Menschen, die nicht meinem Geschlecht angehören. Es erklärt sie zu Objekten, raubt ihnen einen Teil ihres Menschseins.

Ich will das alles nicht vorleben, weil es prägt. Noch mehr, es verstärkt und bestätigt sich immer wieder selbst, will mich und andere in vorgegebene Förmchen packen. Förmchen, die nicht zu uns passen. Ich weiß das alles. Ich weiß das alles und dennoch finde ich mich immer wieder in diesem Förmchen. Ich versuche, mich nicht von ihnen formen zu lassen. Versuche auszubrechen, aufzuzeigen, aufzuklären. Es gelingt stellenweise, zeitweise, teilweise. Und dann, wenn ich nicht aufpasse, schnappt das Gummiband zurück und ich ertappe mich wieder dabei, in ihnen zu denken. In diesen Augenblicken schäme ich mich dafür. Vor mir und vor den anderen Geschlechtern.

Dann versuche ich mich zusammen zu reißen, noch besser aufzupassen, noch mehr an mir zu arbeiten. Aber für je zwei Schritte vor kommt gefühlt ein Schritt zurück. Und es wird mir dabei nichts einfach gemacht. Es ist so erschreckend einfach mit zu schwimmen. Ich wurde über die letzten 30 Jahre als Mann sozialisiert. Ich bin in einer sexistschen Umgebung aufgewachsen, ohne das wissen oder reflektieren zu können. Für meine Eltern und mein Umfeld waren die Vorurteile und kleinen Späße gegenüber anderen Geschlechtern kein Problem, wurden auch nicht thematisiert.

Heute weiß ich ob der diskriminierenden Handlungen und Aussagen, musste dieses Wissen aber erst in langen Gesprächen lernen. In langen Gesprächen, in denen mir die Opfer der kleinen Späße und der beleidigenden Äußerungen ihre Sicht, ihr Empfinden und ihre Rezeption dieses, meines Handelns erklärt haben. Es war nicht einfach, zuzuhören, nicht einfach, anzuerkennen, dass ich selbst der Unterdrücker war. Ich brauchte Zeit, zu verstehen, dass ich in dieser Gesellschaft bevorzugt behandelt werde. Ich glaubte, zu den Guten zu gehören und musste feststellen, dass ich trotzdem Schlechtes tat.

Zum ersten Mal mit meinem Handeln konfrontiert sah ich mich gar selbst in der Opferrolle – der Feminismus will mich diskriminieren! Die Beispiele sexistischen Handelns empfand ich als Bedrohung, als Herabsetzung meiner selbst. “So bin ich nicht!”

Heute weiß ich: Ich bin so.

Aber ich will so nicht bleiben. Ich arbeite daran, in langsamen Schritten. Es ist ein schwerer Weg, der sich aber lohnt zu gehen. Und während ich so diesen Weg gehe, sage ich mir, wer und was ich bin, damit ich nicht so bleibe: Ich bin @herrurbach und @acid23 und ich bin Alltagssexist. Ich arbeite daran.

Eichhörnchendebatten-HowTo. Oder: Hausaufgaben für den Bundesparteitag (beta)

Liebe Piraten,

der BPT steht an und wir werden höchstwahrscheinlich einiges an Debatten über Frauen in der Piratenpartei und über Feminismus und Eichhörnchen und Quoten und was es sonst noch so an Zuckerwatte gibt führen.
In piratigen Diskursen über diese Themen kristallieren sich oft die immer gleichen Missverständnisse und Vorurteile heraus, auf die wir im Folgenden gerne eingehen würden, damit wir im Dezember gemeinsam konstruktiv und vorwärts diskutieren können, anstatt zum 20. Mal langwierig zu klären, warum eine Quote eben NICHT „Frauen diskriminiert, weil die dann wegen ihres Geschlechts eingestellt werden und sie Männern den Job wegnehmen“, sondern gemeinsam an einer Alternative zur Quote basteln können (die vielleicht aus ganz vielen anderen Gründen nicht in die Piratenpartei passt).

Auf geht’s:

Feminismus/Feministinnen sind doof, weil Alice Schwarzer/Antje Schrupp/Julia Schramm/$Sockenpuppe…!

Feminismus über einen so groben Kamm zu scheren ist weder richtig noch konstruktiv. Das ist in etwa wie wenn wir die Behauptung „alle Nerds sind Haarig und eklig“ aufstellen und mit Stallmans besonderer Affinität zu seinen Fußnägeln begründen würden.

Bei uns kann doch jeder mitmachen

Jeder von uns schließt höchstwahrscheinlich mit seinem Verhalten Menschen aus. Und das ohne Absicht. Nur weil unsere Stammtische öffentlich sind, heißt das nicht, dass sich dort jeder wohl und willkommen fühlt. Genau das ist aber eine Grundvoraussetzung dafür, dass wir ein möglichst breites Spektrum an Piraten anziehen und letztlich dazu ermutigen können, sich zu beteiligen.

Wie man das besser machen kann steht zum Beispiel hier:

Auch: Leute, die anderer Meinung sind, nicht persönlich und vor allem nicht unter der Gürtellinie angreifen. Sich fragen, ob man an diesem Shitstorm jetzt wirklich teilnehmen muss. An Ausrufezeichen sparen. Sich nicht wie eine offene Hose verhalten.

Die Quote ist diskriminierend, weil…

Steht dein Argument eventuell hier dabei?

;)

Aber die Männer!

Engagement für Gleichberechtigung– und auch Feminismus– ist nicht nur die Auseinandersetzung mit der Ausgrenzung von Frauen. Es geht um den Kampf gegen Gesellschaftsstrukturen, die uns allen nicht gerecht werden. Frauen und Eichhörnchen haben in dieser Gesellschaft allerdings meistens die größere Arschkarte gezogen. Das heißt nicht, dass wir verkennen, dass z.B. auch Jungs unter dem Männlichkeitszwang, dem viele von ihnen ausgesetzt sind, leiden. Es heißt aber auch nicht, dass nicht eine kleine Gruppe von Feministinnen für alle zuständig sein kann.
Der Vorwurf, dass Frauen, die für echte Gleichberechtigung kämpfen ( und sich meist als Feminstin bezeichnen), diskriminierend agieren, weil sie sich nicht auch noch explizit für gebeutelte Männer einsetzen, ist so dreist, absurd und bräsig, dass mir seit Tagen keine sinnvolle Antwort zu diesem Punkt einfällt.
Das ist unser gemeinsamer Kampf.
Wir leiden alle unter den herrschenden Strukturen.
Hilf halt mit, statt andere für ihr Engagement anzuraunzen.

Wir haben doch Frauen und die fühlen sich bei uns wohl.

Genau, und das ist auch toll! Lustigerweise hatte aber bisher jede Piratin, die ich danach gefragt habe, einen größtenteils männlichen Freundeskreis und/oder arbeitete in einem männerdominierten Beruf. Kann man für einen Zufall halten (genauere Erhebungen sind in Arbeit). Tue ich aber nicht. Auch Frauen sind keine homogene Gruppe und der Mangel an nicht-Dudettes kann ein Indikator dafür sein, dass wir eine Attraktivitätslücke haben.
Wir sind eine politische Partei, vom Grundgesetz explizit geschützt– es ist unsere Aufgabe, allen Facetten der Gesellschaft und allen Facetten der Politik irgendwie aufmerksam zu folgen.
Auch: Vollständige Induktion über Frauen funktioniert so nicht.

Ich lass’ mir doch nicht den Mund verbieten a.k.a
Ihr reagiert über. Seid doch mal lustig! Habt ihr keinen Humor?

Dinge wie „keine sexistischen Witze reißen“ erscheinen leicht banal und gleichzeitig überzogen: Natürlich ist das doch alles nur Spaß und natürlich will niemand hier Frauen an den Herd ketten.

Wenn wir den Anspruch erheben, eine Mitmachpartei zu sein, bedeutet das auch, dass wir dafür sorgen müssen, dass sich jeder der mitmachen will, wohl und willkommen fühlen kann. Das hat nichts mit Zensur zu tun, sondern mit einem Mindestmaß an Empathie.
Stell dir zum Beispiel mal folgende Situation vor: (wir gehen jetzt mal davon aus, dass du ein Mann bist, das ganze geht natürlich auch analog mit anderen Merkmalen)

Du kommst in eine Gruppe, in der du niemanden kennst. Es ist vielleicht das erste Mal, dass du in einer Gruppe dieser Art sitzt. Bevor ihr wirklich zum Thema kommt, witzelt ein frisch von ihrem Freund getrenntes Gruppenmitglied über $KlischeeÜberMänner. Der Rest lacht verhalten. Sie spricht dich den Rest des Abends über nur noch mit „Schwanz“ an. Nachdem ihr konstruktiv an spannenden Dingen gearbeitet habt, fragt ein anderes Gruppenmitglied dich ohne sich vorher mit dir unterhalten zu haben nach deiner Telefonnummer, offensichtlich nicht zum Austausch über das Gruppenthema. Während des ganzen Treffens werden Insiderwitze gemacht, die du nicht verstehst und die dir niemand erklärt.
Wie hoch ist deine Motivation, dieses Treffen noch einmal zu besuchen?

Auch wenn der Rest der Gruppe furchtbar nett war, kann das Verhalten von Einzelnen Neulinge sehr abschrecken. Vieles davon ist sicherlich nicht böse gemeint. Es trägt dennoch dazu bei, dass jemand, der sich eh schon weit außerhalb seiner comfort zone bewegt sich noch fremder fühlt.

Dein Stammtisch/Crewtreffen ist nicht deine Clique. Menschen, die dich nicht kennen, wissen vielleicht nicht, dass du gewisse Witze/Bemerkungen nicht so meinst. Wenn du Interesse daran hast, dass wir mehr und bunter werden, verhalte dich an diesen Orten so, dass sich nicht nur dein näheres Umfeld, sondern alle wohl fühlen können.

Feminismus = Quote

Diese Verkürzung entspricht ungefähr Piraten = Internetpartei. Die Quote ist ein Tool, kein Ziel.
Für einige Feministinnen hat sie ihre Daseinsberechtigung. Das heißt nicht, dass jeder Quotenpositive Feminist die Quote überall für sinnvoll hält (geschweige denn sie durchdrücken will). Für mehr Information zu einer Diskussion über Quoten GOTO „Die Quote ist diskriminierend, weil…“
Und nur zur Sicherheit: der Kegelklub war sich bisher darin einig, dass die Quote ein innerhalb der Piratenpartei ungeeignetes Instrument ist. (Da wir ein loses Kollektiv sind, können wir aber natürlich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit für alle Kegelklublerinnen sprechen)

Feminismus ist sowas von 80s (lacht)
Schön wärs!

    • Frauen sind in Karrierefragen oft immer noch benachteiligt. Sei es Gehalt, potentielle Schwangerschaft, etc. Es gibt sogar immer noch Männer, die öffentlichen sagen, dass Frauen keine Chefs sein können. So wegen Hormonen und so.
    • 2/3 der Teilzeitjobs werden von Frauen gemacht. Oftmals unfreiwillig und nur mit finanzieller Unterstützung von Partner oder Staat.
    • In Deutschland sind ein Bruchteil der Führungspositionen weiblich besetzt. Statt dessen herrscht in weiten Teilen immer noch eine Puff-Kultur, die einem vielen Männern genauso wenig gerecht wird, wie Frauen.
    • In den letzten Jahren gab es einen enormen Zuwachs an geschlechtsspezifischem Kindespielzeug– also rosa Glitzerkram für liebe Mädchen, blau/grünes Technikspielzeug für abenteuerlustige Jungs und nichts dazwischen.
    • Produkte werden immer noch mit nackten meist weiblichen Körperteilen beworben. Und Laien wiederholen gebetsmühlenartig: Sex sells.
    • Biologistische Argumentationen und Publikationen sind allgegenwärtig. Dabei werden wissenschaftliche Standards verletzt, um “Frauen/Männer sind SO …” argumentieren zu können. Repräsentative Studien, die z.B. zeigen, dass es keinerlei geschlechtsspezifische Unterschiede bei Gehirnaktivitäten gibt, schaffen es mangels “Sensation” nicht in die Massenmedien.
    • Während einige sich den Arsch aufreißen, um MINT-Studiengänge attraktiver für Frauen zu machen, machen Informatikdekane immer noch fröhlich Bordellwitze in Vorlesungen.
    • Piraten verstecken sich hinter „Frauen sind halt so“ bzw. “Wir haben das alles überwunden!” //naja, letzteres is
    • das Transsexuellengesetz ist immer noch in Kraft
    • wir haben es immer noch nicht auf die Reihe bekommen, Politik attraktiv für Frauen zu machen (und das gilt für alle Parteien.)
    • Jungs, die nicht dem traditionellen Männlichkeitsbild entsprechen, werden immer noch gemobbt
    • Vergewaltigungsopfer müssen sich immer noch rechtfertigen, dass sie nicht „selbst schuld“ sind bzw. müssen sie immer noch darum kämpfen, dass ihnen überhaupt geglaubt wird
    • Wir bringen Kindern immer noch je nach biologischem Geschlecht unterschiedliche Verhaltensweisen bei und erzählen dann, typisches Jungsverhalten sei „besser“ bzw. “erfolgreicher”
    • es gibt immer noch einen Markt für solche Shirts: http://www.thinkgeek.com/tshirts-apparel/womens/e630/
  • Mario Barth füllt das Olympiastadion. ‘Nuff said.

Aber wir sind doch Post-Gender
… Und wir leben in einem Land, in dem jedem das Recht auf sichere Existenz und Gesellschaftliche Teilhabe gewährt wird, in dessen Hauptstadt man fahrscheinfrei U-Bahn fahren kann, dessen Politiker Transparenz nicht als Buzzword, sondern als Arbeitsgrundlage sehen, in dem wir nicht seit Jahren immer und immer wieder Vorratsdatenspeicherung und Netzsperren erklären müssen…

Nur weil etwas in unserem Parteiprogramm steht, „sind“ wir es noch lange nicht. Nicht mal in unserem kuscheligen Piratenkosmos. Auch wenn viele von uns viel Zeit innerhalb der Partei verbringen, so hat unsere Umwelt doch einen Einfluss auf uns (und wir hoffentlich auch auf sie). Viele Mitglieder unserer Partei sind was Gleichberechtigung angeht ein ganzes Stück weiter als die Norm. Wir sind dennoch alle in einer sexistischen Gesellschaft aufgewachsen, unter der viele von uns – Männlein wie Weiblein wie Eichhörnchen – gelitten haben. Das hat Spuren hinterlassen. Post-Gender ist wie die oben erwähnten Piratenthemen eine Utopie, auf die wir hinarbeiten müssen.

Oh. Ups. Und jetzt?

Eure Liste ist unvollständig
Bestimmt! Über Ergänzungen und Anregungen freuen wir uns sehr.

– Autorinnen: @lotterleben, @laprintemps

Genderdebatte und Frauenquoten in der Piratenpartei

Einige Kegelklublerinnen wurden im Rahmen einer journalistischen Anfrage gebeten, eine Stellungnahme zur Aktuellen Quotendebatte und Maßnahmen, die mehr weibliches Engagement bei der Piratenpartei fördern könnten, zu verfassen. Dies ist unsere Antwort:

Zur Zeit wird viel über die Genderdebatte in der Piratenpartei diskutiert und geschrieben. Wir begrüßen eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema und möchten uns offen für Kritikpunkte, vor allem aber auch für Lösungsansätze zeigen. Mit der Frage, wie wir mehr Frauen zu einer Mitarbeit in unserer Partei motivieren können, setzen sich zur Zeit Frauen und Männer in der Piratenpartei aktiv und konstruktiv auseinander.

Wir sind dabei, die Ursachen für  die geringe Beteiligung von Frauen in der Piratenpartei sowie an exponierten Stellen innerhalb der Partei zu evaluieren. Gleichzeitig arbeiten wir bereits an Ideen, wie wir die Strukturen verändern können, so dass es Frauen leichter fällt, sich einzubringen. Dieser Prozess braucht allerdings Zeit.

Das Instrument einer Quote sehen wir kritisch, weil es bestehende Geschlechterdifferenzen zementiert und beispielsweise zur Zeit auch nicht die reale Anzahl von weiblichen Mitgliedern repräsentieren würde. Zudem gibt es Menschen, die sich keinem der beiden Geschlechter zuordnen möchten. In unserem Parteiprogramm setzen wir uns ausdrücklich für eine freie Selbstbestimmung von geschlechtlicher und sexueller Identität bzw. Orientierung ein. Daher ziehen wir es vor, nach progressiveren Lösungsansätzen zu suchen. In anderen Organisationen können Quoten trotzdem durchaus sinnvoll sein und wir wollen niemandem vorschreiben, auf welche Weise er sich für eine Gleichbehandlung aller Menschen einsetzen soll.

“Postgender” -  also die Haltung, dass biologisches und soziales Geschlecht keine Rolle mehr spielen – sehen wir als Ideal an. Täten wir so, als sei dieses Ideal bereits erreicht, könnten wir uns ja keine Gedanken mehr darüber machen, wie wir Frauen besser einbinden können. Wir sehen, dass in unserer Gesellschaft immer noch viele Sexismen herrschen, die es zu bekämpfen gilt.
Für die höhere Beteiligung von Frauen in der Piratenpartei aber auch in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen wollen wir uns einsetzen, darüber aber auch nicht vergessen, dass es noch etliche andere Gruppen gibt, die im Hinblick auf ihre Rechte und ihre Möglichkeiten zur gesellschaftlichen und politischen Teilhabe noch nicht gleichgestellt sind.

Wir möchten gerne alle herzlich dazu einladen, an dem Gender-Diskurs teilzunehmen und  Gedanken und Lösungsideen mit einzubringen.

Für tiefergehende Einblicke in die bisherige Debatte empfehlen wir u.a. die Blogbeiträge von @arte_povera

– Verfasst von @mueslikind, @_nojoum und @lotterleben.

Solltest du dich in diesem Artikel wiedergefunden haben, zeichne ihn doch bitte im Wiki mit.

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Zur Gleichstellung in Nerdkreisen

Einleitung
Es ist längst überfällig, dass ich über dieses Thema schreibe.
Es ist längst überfällig, dass wir uns alle offen mit diesem Thema beschäftigen.
Es ist längst überfällig, dass ich dies als weißer, (halbwegs) gutverdienender, nerdiger Mann tue.

Hier soll’s um Gleichberechtigung gehen und mal anders, als bei meinen sonstigen Texten, um die Gleichstellung von Menschen im täglichen Umgang und mal nicht ganz so global gesehen. Ja, liebe Leser_innen und Leser, das ist wichtig! Ich werd das mal an zwei Beispielen verdeutlichen und werde mich dabei nicht scheuen meine eigene Meinung da mit einzumengen.

Bei den Coderinnen
Immer wieder die gleiche Chose. Vielleicht seid ihr dem Phänomen auch schon begegnet. Und ich mein jetzt nicht, dass es verdammt wenige Programmiererinnen gibt. Das hat auch seine Gründe und hängt auch genau mit unserem Thema zusammen, was ich aber gerade ansprechen will ist was anderes. Ich bin ein wenig unterwegs in der Ruby on Rails Community, ist halt nen nettes Framework für ‘ne sexy Sprache. Und in der großen weiten Welt der Programmiererinnen kommt es fast in regelmäßigen Abständen zu dem folgenden Phänomen.

Alle paar Monate kommt da so ein Arschloch auf irgend einer unserer hippen Techconfs auf die Idee, sich hinzustellen und eine sexistische Show abzuziehen. Der Großteil des Publikums nimmt das hin, stellenweise vielleicht mit Bauchschmerzen. Irgendwann platzt dann einer Programmiererin im Publikum der Kragen und sie setzt sich damit ihrer Profession gemäß auseinander: sie bloggt darüber.

An sich schon mal echt ne gute Sache. Soziale Missstände und respektloses Verhalten verschwinden ja nicht von selbst. Und meistens entwickelt sich dann auch im Anschluss eine Diskussion…
Naja, falls man es denn so nennen möchte. Es erscheint eher wie Glaubenskriege. Und ähnlich wie bei Glaubenskriegen haben diese Meinungsscharmützel immer wiederkehrenden Charakter von den stets gleichen Argumenten. Der Comic verdeutlich das ganz gut.

Bei den Piratinnen
Jupp, hier kocht das Thema auch schon länger. Ich hatte mir eigentlich schon nach Julias Blogpost bezüglich ihres letzten Shitstorms vor gehabt, endlich meinen längst überfälligen Artikel zum Thema Sexismus in Nerdkreisen zu schreiben. Aber wie das mit der Arbeit im Programmiererhamsterrad so ist…

Unabhängig davon, dass sich die Presse gerade auf die Fraktion in Berlin stürzt, weil’s da keine Quote gibt (und sie ja irgendwas zum skandalieren brauchen. Sonst würd ja auffallen, dass sie kaum Informationen aufbereiten…) sollten wir auch von unserer eigenen Partei nicht den Blick abwenden.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr fällt mir auf, das des Beispiel nicht so griffig gewählt ist. Klar, wir haben ne gute Anzahl krass sexistischer Trolle im Kielwasser (ich sag nur: Koks und Nutten) sowie arg bedenkliche Auswüchse (siehe AG Männer), allerdings stehen diesen, gerade hier in Berlin, verdammt viele offen agierende und denkende Leute gegenüber. Mensch kann postgender als stumpfes Ausblenden dieser Kategorien betrachten (als Privilegierter geht das ja ganz einfach) aber auch bitte bedenken, dass es viele gibt, die dieses auch als ein Ausbrechen aus den alten Rollenbildern und Biologismus betrachten (Die Stichworte lauten hier Transgender und Transvestismus).

Kinners, da steckt ein Muster dahinter
Oder, wie es so schön heißt: “Auch du hast Sexismen verinnerlicht!”. Ist so. Jede und Jeder von uns. Kann mir auch schlecht vorstellen, wie es ohne gehen könnte. Wir leben in einer sexistischen Gesellschaft die auf festen Rollenbildern basiert und davon ärgerlicherweise auch nur genau zwei anbietet. Wir saugen das quasi mit der Muttermilch bzw. im Kindergarten auf. Alles wird in sie hinein gezwängt und diejenigen, die sie verinnerlicht haben verstärken sich noch untereinander, da sie sich ja die ewig gleichen Verhaltensweisen und Lebenspläne vorspielen.

Das ist jetzt für das geneigte Eichhörnchen auch nicht das neueste. Die Feministinnen beißen sich da auch schon länger die Zähne aus, ebenso wie die Streiter für homosexuelle Lebensweisen. Wichtig ist, dass wir uns mal alle dieser soziologischen Tatsache bewußt werden. Denn nur dann können wir wirklich mal angehen, die ständige und teilweise latente Diskriminierung von Menschen, die nicht in das allgemein vorgebetete Raster passen, in unserer Gesellschaft zu beenden. Das praktische daran: Jeder Mensch kann da direkt bei sich selbst mit anfangen! Das nennt sich dann nämlich Aufklärung, wenn man sich der Beweggründe für sein soziales Verhalten bewußt wird. Und die haben wir Menschen echt mal verdammt nötig. Ich hab übrigens den starken Verdacht, dass sich Kant jedes Mal in seinem Grab herum dreht, wenn irgend so’n Lehrer dieses unsägliche Zitat in der Schule vorbetet.

Aber ich komme vom Thema ab. Die aktuelle Situation, wie ich sie erfasse, ist folgende: Leute, die Verhaltensweisen aufweisen, die dem anderen Geschlecht zugeordnet werden, oder die einfach gefangen in dem falschen Körper sind oder beide Geschlechtsmerkmale aufweisen haben generell immer noch nichts dazu sagen und halten sich aus Furcht vor negativen gesellschaftlichen Sanktionen meistens aus der Diskussion heraus. Die Frauen hatten im letzten Jahrhundert echt gute Erfolge erzielt, was ihre Gleichberechtigung angeht. Zumindest auf dem Papier sind sie ziemlich gleichgestellt. Dummerweise kommt die Entwicklung da irgendwie nicht voran, es scheitert einfach zu viel an kulturellen und sozialen Hürden.

Männer, jetzt müssen wir ran!
Es ist dringend nötig das wir als die Priviligierten dieses Rollenschemas anfangen, daran zu rütteln. Und das sind wir! Wer da was anderes sagt möge mal bitte die Augen aufmachen und sich einfach nur mal anschauen, wie die Gehaltsverteilung zwischen den Geschlechtern so aussieht. Oder wie das mit der Machtverteilung unter den Geschlechtern aussieht. Nennt sich übrigens Patriachat, sollte Mann schon mal was drüber gehört haben. Wir müssen verstehen lernen, wie diese Mechanismen der Unterdrückung funktionieren um sie richtig brechen zu können. Diejenigen stärken, die gegen ihre aufgezwungenen Rollenbilder kämpfen und ihre Position mit unserer Unterstützung bestärken. Wir Männer brauchen dringend neue Rollenbilder für die Welt von heute und Morgen. Der Lohn für unsere Mühen wäre eine Gesellschaft, die wieder ein bisschen besser geworden wäre. Mit glücklichen Menschen, die nicht an den ihnen aufgestülpten Rollenbildern zerbrechen.
Die Herausforderungen der Informationsfreiheit verlangen eine zweite, eine richtige Aufklärung der Menschen. Wir alle müssen daran mit arbeiten, wenn wir in der Gesellschaft der Informationsfreiheit zu Hause sein wollen.

Männer, an die Arbeit!

(Autor: @acid23 / Daniel Schweighöfer)

Liebe Kritiker:

Warum wir uns bemüßigt gefühlt haben, den letzten Blogpost zu schreiben
Unsere Kritik galt der Art, wie auf unseren Frauenmangel hingewiesen wird. Wir möchten uns tatsächlich um schüchterne Piraten kümmern. Und wir möchten tatsächlich erforschen, warum sich u.a. weniger Frauen bei uns engagieren. Die Kommentare der letzten Tage grätschten uns allerdings genau in diese Arbeit hinein. Das finden wir schade, denn wir möchten uns eigentlich bemühen, jede und jeden mitzunehmen.
“Post-Gender” ist ein Ideal, das wir verfolgen, eine Geisteshaltung, die wir annehmen wollen. Wir wissen selbst, dass auch die Piraten nicht vom Himmel, sondern aus einer sexistischen Gesellschaft gefallen sind. Wer behauptet, wir wären bereits Post-Gender, der verbreitet die Unwahrheit und verschließt die Augen vor der Realität. Wer behauptet, dass wir Kegelklublerinnen behaupten würden, wir wären alle Post-Gender, der verbreitet ebenfalls die Unwahrheit. Wiederum müssen wir betonen, dass es in der Piratenpartei eine Menge unterschiedlicher und durchaus kontroverser Meinungen zum Thema “Frauen und Gender undsoweiter” gibt. Es ist keineswegs so, dass wir alle die Meinung vertreten, wir hätten kein Problem. Wir glauben aber auch nicht, dass die vorhandenen Probleme unlösbar wären.
Natürlich dürfen wir uns nicht hinter WIR SIND ALLE SO POSTGENDER LALALALA verstecken, sondern müssen das Problem anerkennen und angehen, wir möchten aber andere Mittel als die Quote benutzen, da jede Quote notwendigerweise binär kategorisiert und Geschlechtszuschreibungen zementiert. Wenn du Ideen hast, wie das gehen könnte oder Hinweise oder Tips: Bitte mach mit. Egal ob du Pirat* bist oder nicht.
Wir sind uns bewusst, dass die Mitarbeit bei den Piraten für einige Frauen schwer ist, aber  wir arbeiten daran, das zu ändern. Der Blogpost sollte das Problem ansprechen, dass der Diskurs zur Zeit in den Medien nicht mit ausreichender Tiefenschärfe und vor allem ohne die Protagonist*en geführt wird
Mitmachen statt Draufhauen
Bitte haut nicht nur auf uns drauf, sondern helft uns. Einige von uns mögen – was Gleichberechtigung angeht – weiter sein als andere, aber auch wir sind personell begrenzt und kämpfen gegen ziemlich große Windmühlen.
Uns wird vorgeworfen, den Frauenmangel der Piratenpartei unter den Teppich kehren und statt die Kritik an unseren Strukturen anzunehmen, die Schuld auf die Medien schieben zu wollen. Das war zu keiner Zeit unsere Intention. Wir sind bereits dabei, uns aktiv und konstruktiv mit der Thematik auseinanderzusetzen, nur scheint es den meisten Teilnehmern am Diskurs leichter zu fallen, in Denkschablonen zu operieren und schnell Schuldige statt Lösungen ausfindig zu machen. Das ist jedoch unserer Meinung nach nicht zielführend. Alle sind eingeladen, nicht nur viel zu erzählen und böse zu werden, sondern sich mit uns und jeweils miteinander auseinanderzusetzen. Durch Zuhören, konstruktive Vorschläge und vor allem konkretes Handeln.
Die ersten Ansätze könnten sein:
  • Jetzt direkt auf weibliche Neupiraten zugehen, sie nicht gleich mit unserem eher rauhen Umgangston verschrecken, sondern ihnen helfen, sich zurechtzufinden, den Mut zu Wortmeldungen zu finden, sie vernetzen und ihnen zeigen, wie sie sich auf vielfältige Weise einbringen können. Statt des ewigen „Man müsste mal“ mehr “Yeah das machen wir jetzt so!“
  • Allgemein an den Kommunikationsstrukturen arbeiten, so dass ein freundlicherer Tonfall entsteht, mehr Respekt füreinander, mehr Solidarität füreinander im “Shitstorm-Fall”, ein Tonfall, bei welchem Wortbeiträge ernst genommen werden, egal von wem sie kommen, und Kritik an diesen sachlich formuliert wird. Greift ein Pirat einen Anderen auf einer persönlichen Ebene an – sei es nun durch Kommentare über sein Aussehen, seine sexuelle Orientierung oder sein Geschlecht– ist es die Aufgabe aller, dem Einhalt zu gebieten und dem Angegriffenen den Rücken zu stärken.
  • Über die großen, gesamtgesellschaftlichen Probleme sprechen: WARUM sind so wenige Frauen in technischen Berufen, wie könnte man sie ermutigen, sich in diesem und in anderen Bereichen stärker zu engagieren? Und wie kann man das Umfeld junger Mädchen davon abhalten, sie (unabsichtlich) zu demotivieren? ( Dasselbe gilt für Jungs und soziale Berufe).
    Wie können wir gesellschaftliche Strukturen so aufbrechen, dass Kinder nicht permanent in ein Rollenmuster gequetscht werden und was kann jeder einzelne (Pirat) dazu beitragen?
Lasst uns vor allem damit aufhören, erbost mit Fingern aufeinander zu zeigen. Niemand von uns ist perfekt. Lasst uns was ändern! Für alle und mit allen! Es gibt so viel zu tun!
Autorinnen: @_nojoum, @lotterleben und ein bisschen Hilfe von Freunden.

Liebe Presse, wir müssen reden.

Wir, die “Frauen in der Piratenpartei” – und unsere Selbstzuschreibungen sind wesentlich komplexer als die Medien das gerne hätten, das geht von “(weiblicher) Pirat”, “männliche Piratin”, “Piratin” über “als Frau sozialisierter Mensch” und “Mensch mit zwei x-Chromosomen” bis zu “transsexuelles Eichhörnchen” – sind mehr als nur dieses “Frau-Sein”, auf das wir stets reduziert werden. Wir sind auch ganz sicher mehr als nur zwei Brüste, und wir haben keine Absicht, diese auf irgendwelche Kandidaten-Listen oder in Kameras zu schieben, nur weil die Medien das gerne hätten und meinen, dass wir andernfalls ja völlig unter den Tisch fallen würden.

Wir haben es schon oft betont, müssen aber offenbar noch einmal daran erinnern: Es gibt sehr viele aktive (na, sagen wir der Einfachheit halber mal) Piratinnen, die sich durch die stets gleichen, verständnislosen, blöden Fragen der Presse verärgert fühlen könnten. Als wäre ihre Parteiarbeit nichts wert, weil sie NICHT auf der Kandidatenliste stehen wollten.

Hinzu kommt, dass das ‘Frauenproblem’ zu einem sehr großen Teil durch die Wahrnehmung der Presse, die am etablierten Politikbetrieb geschult wurde, generiert wird. Auf die Frage “Warum steht nur eine Frau auf der Liste?” könnte man antworten “Weshalb ist das relevant? Und Wofür?” Wen oder was soll diese Liste repräsentieren? Warum ist es so wichtig, wer da drauf steht? Eines unserer Kernelemente ist unsere basisdemokratische Struktur: JEDER (und jede usw.) hat etwas zu sagen und JEDE/R, nicht nur die *ganz wichtigen Abgeordneten, die jetzt alles bestimmen werden* kann mitwirken und Einfluss auf den Kurs der Partei haben.

Es scheint ganz so, als wollten die Medien dieses Problem auf eine bestimmte Weise wahrnehmen, denn das gibt eine Story, und zwar eine, die sich schnell und einfach erzählen lässt. Die Komplexität des Problems “weibliche und sonstige Teilhabe” wird dabei unzureichend erfasst. Durch die platte und undifferenzierte Fragestellung wird das “Frauenproblem” reproduziert und am Leben erhalten, teilweise gar erst erschaffen. Das it schade und unnötig. Natürlich gibt es Probleme, über die wir gerne konstruktiv reden möchten. Die Frage “Hat die Piratenpartei ein Frauenproblem?” hilft da jedoch nicht weiter. Liebe Presse, ihr schreckt hiermit viele interessierte Frauen ab, die wir freudig und freundlich aufgenommen hätten! Macht Euch doch einmal die Mühe, etwas genauer hinzuschauen, fragt doch einfach mal einige der Piratinnen, wie es ihnen geht und was ihre Beweggründe sind. Und erschreckt euch nicht vor differenzierten Antworten!

Das Engagement von Frauen in der Politik (und in technischen Berufen und wo nicht sonst noch überall) sehen wir auch als ein GESAMTGESELLSCHAFTLICHES Problem. Statt auftrumpfend die Piratenpartei als eine “frauenfeindliche” Partei entlarven zu wollen, sollte man fragen, was generell in unserer Gesellschaft verändert werden könnte oder müsste, damit ALLE Menschen (und u.a. Frauen) besser teilhaben können. (Wir würden uns auch über Fragen freuen wie “Wo sind die Handwerker auf eurer Liste? Wo die Menschen mit anderem kulturellen und ethnischen Hintergrund? Wo die auf andere Art und Weise in der Gesellschaft Benachteiligten?”)

Hinweise wie “Selbst die CDU hat mittlerweile eine Quote” sehen wir nicht als Ansporn. Stattdessen wollen wir lieber herausfinden, warum eventuell weniger Frauen (oder Eichhörnchen oder schüchterne Piraten oder…) für Listenplätze kandidieren, damit eine solche Liste repräsentativer auch für die Menge der aktiven Piraten wird und niemand ausgeschlossen wird. Und auch wissen, ob das überhaupt Not tut.

Es gibt bei uns durchaus verschiedene kontroverse Positionen zu einer Quote, viele halten sie eher nicht für das schlussendliche und allein selig machende Mittel, da sie die Einordnung von Individuen in ein binäres Geschlechtersystem erfordert und damit Heteronormativität reproduziert.

Es gibt kein Problem für eine Frau, wenn sie kandidieren wollte. (Eher im Gegenteil.) Es sind keine Fälle bekannt, wo Frauen, die für etwas kandidiert haben, nicht gewählt wurden, weil sie FRAUEN sind. Dass aber viele Frauen nicht kandidieren wollten, kann man ihnen nicht zum Vorwurf machen.

Wer  uns ernst nimmt – und vorgeblich nimmt man uns ernst, wenn man sich  Sorgen um unsere Position in der Piratenpartei macht und damit  Schlagzeilen füllt – sollte uns auch ernst genug nehmen, mit uns  persönlich zu sprechen. Wenn gutmeinende Presse nicht mit uns, sondern nur über uns redet, ist das nicht emanzipatorisch, sondern im Gegenteil paternalisierend.
Für eine Reportage über aktive Piratinnen kann man uns gerne kontaktieren. Aber die Frage “Und wieso engagiert man sich als Frau in der Piratenpartei?” sind wir reichlich satt. Die wird nicht mal mehr mit einem müden Lächeln quittiert. Wir engagieren uns als Menschen und nicht als Frauen in der Piratenpartei. Denkt mal drüber nach.

(Verfasserin: @_noujoum)

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