Zur Gleichstellung in Nerdkreisen

Einleitung
Es ist längst überfällig, dass ich über dieses Thema schreibe.
Es ist längst überfällig, dass wir uns alle offen mit diesem Thema beschäftigen.
Es ist längst überfällig, dass ich dies als weißer, (halbwegs) gutverdienender, nerdiger Mann tue.

Hier soll’s um Gleichberechtigung gehen und mal anders, als bei meinen sonstigen Texten, um die Gleichstellung von Menschen im täglichen Umgang und mal nicht ganz so global gesehen. Ja, liebe Leser_innen und Leser, das ist wichtig! Ich werd das mal an zwei Beispielen verdeutlichen und werde mich dabei nicht scheuen meine eigene Meinung da mit einzumengen.

Bei den Coderinnen
Immer wieder die gleiche Chose. Vielleicht seid ihr dem Phänomen auch schon begegnet. Und ich mein jetzt nicht, dass es verdammt wenige Programmiererinnen gibt. Das hat auch seine Gründe und hängt auch genau mit unserem Thema zusammen, was ich aber gerade ansprechen will ist was anderes. Ich bin ein wenig unterwegs in der Ruby on Rails Community, ist halt nen nettes Framework für ’ne sexy Sprache. Und in der großen weiten Welt der Programmiererinnen kommt es fast in regelmäßigen Abständen zu dem folgenden Phänomen.

Alle paar Monate kommt da so ein Arschloch auf irgend einer unserer hippen Techconfs auf die Idee, sich hinzustellen und eine sexistische Show abzuziehen. Der Großteil des Publikums nimmt das hin, stellenweise vielleicht mit Bauchschmerzen. Irgendwann platzt dann einer Programmiererin im Publikum der Kragen und sie setzt sich damit ihrer Profession gemäß auseinander: sie bloggt darüber.

An sich schon mal echt ne gute Sache. Soziale Missstände und respektloses Verhalten verschwinden ja nicht von selbst. Und meistens entwickelt sich dann auch im Anschluss eine Diskussion…
Naja, falls man es denn so nennen möchte. Es erscheint eher wie Glaubenskriege. Und ähnlich wie bei Glaubenskriegen haben diese Meinungsscharmützel immer wiederkehrenden Charakter von den stets gleichen Argumenten. Der Comic verdeutlich das ganz gut.

Bei den Piratinnen
Jupp, hier kocht das Thema auch schon länger. Ich hatte mir eigentlich schon nach Julias Blogpost bezüglich ihres letzten Shitstorms vor gehabt, endlich meinen längst überfälligen Artikel zum Thema Sexismus in Nerdkreisen zu schreiben. Aber wie das mit der Arbeit im Programmiererhamsterrad so ist…

Unabhängig davon, dass sich die Presse gerade auf die Fraktion in Berlin stürzt, weil’s da keine Quote gibt (und sie ja irgendwas zum skandalieren brauchen. Sonst würd ja auffallen, dass sie kaum Informationen aufbereiten…) sollten wir auch von unserer eigenen Partei nicht den Blick abwenden.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr fällt mir auf, das des Beispiel nicht so griffig gewählt ist. Klar, wir haben ne gute Anzahl krass sexistischer Trolle im Kielwasser (ich sag nur: Koks und Nutten) sowie arg bedenkliche Auswüchse (siehe AG Männer), allerdings stehen diesen, gerade hier in Berlin, verdammt viele offen agierende und denkende Leute gegenüber. Mensch kann postgender als stumpfes Ausblenden dieser Kategorien betrachten (als Privilegierter geht das ja ganz einfach) aber auch bitte bedenken, dass es viele gibt, die dieses auch als ein Ausbrechen aus den alten Rollenbildern und Biologismus betrachten (Die Stichworte lauten hier Transgender und Transvestismus).

Kinners, da steckt ein Muster dahinter
Oder, wie es so schön heißt: „Auch du hast Sexismen verinnerlicht!“. Ist so. Jede und Jeder von uns. Kann mir auch schlecht vorstellen, wie es ohne gehen könnte. Wir leben in einer sexistischen Gesellschaft die auf festen Rollenbildern basiert und davon ärgerlicherweise auch nur genau zwei anbietet. Wir saugen das quasi mit der Muttermilch bzw. im Kindergarten auf. Alles wird in sie hinein gezwängt und diejenigen, die sie verinnerlicht haben verstärken sich noch untereinander, da sie sich ja die ewig gleichen Verhaltensweisen und Lebenspläne vorspielen.

Das ist jetzt für das geneigte Eichhörnchen auch nicht das neueste. Die Feministinnen beißen sich da auch schon länger die Zähne aus, ebenso wie die Streiter für homosexuelle Lebensweisen. Wichtig ist, dass wir uns mal alle dieser soziologischen Tatsache bewußt werden. Denn nur dann können wir wirklich mal angehen, die ständige und teilweise latente Diskriminierung von Menschen, die nicht in das allgemein vorgebetete Raster passen, in unserer Gesellschaft zu beenden. Das praktische daran: Jeder Mensch kann da direkt bei sich selbst mit anfangen! Das nennt sich dann nämlich Aufklärung, wenn man sich der Beweggründe für sein soziales Verhalten bewußt wird. Und die haben wir Menschen echt mal verdammt nötig. Ich hab übrigens den starken Verdacht, dass sich Kant jedes Mal in seinem Grab herum dreht, wenn irgend so’n Lehrer dieses unsägliche Zitat in der Schule vorbetet.

Aber ich komme vom Thema ab. Die aktuelle Situation, wie ich sie erfasse, ist folgende: Leute, die Verhaltensweisen aufweisen, die dem anderen Geschlecht zugeordnet werden, oder die einfach gefangen in dem falschen Körper sind oder beide Geschlechtsmerkmale aufweisen haben generell immer noch nichts dazu sagen und halten sich aus Furcht vor negativen gesellschaftlichen Sanktionen meistens aus der Diskussion heraus. Die Frauen hatten im letzten Jahrhundert echt gute Erfolge erzielt, was ihre Gleichberechtigung angeht. Zumindest auf dem Papier sind sie ziemlich gleichgestellt. Dummerweise kommt die Entwicklung da irgendwie nicht voran, es scheitert einfach zu viel an kulturellen und sozialen Hürden.

Männer, jetzt müssen wir ran!
Es ist dringend nötig das wir als die Priviligierten dieses Rollenschemas anfangen, daran zu rütteln. Und das sind wir! Wer da was anderes sagt möge mal bitte die Augen aufmachen und sich einfach nur mal anschauen, wie die Gehaltsverteilung zwischen den Geschlechtern so aussieht. Oder wie das mit der Machtverteilung unter den Geschlechtern aussieht. Nennt sich übrigens Patriachat, sollte Mann schon mal was drüber gehört haben. Wir müssen verstehen lernen, wie diese Mechanismen der Unterdrückung funktionieren um sie richtig brechen zu können. Diejenigen stärken, die gegen ihre aufgezwungenen Rollenbilder kämpfen und ihre Position mit unserer Unterstützung bestärken. Wir Männer brauchen dringend neue Rollenbilder für die Welt von heute und Morgen. Der Lohn für unsere Mühen wäre eine Gesellschaft, die wieder ein bisschen besser geworden wäre. Mit glücklichen Menschen, die nicht an den ihnen aufgestülpten Rollenbildern zerbrechen.
Die Herausforderungen der Informationsfreiheit verlangen eine zweite, eine richtige Aufklärung der Menschen. Wir alle müssen daran mit arbeiten, wenn wir in der Gesellschaft der Informationsfreiheit zu Hause sein wollen.

Männer, an die Arbeit!

(Autor: @acid23 / Daniel Schweighöfer)

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41 Antworten zu “Zur Gleichstellung in Nerdkreisen

  1. v-0

    Zitat:

    Das ist jetzt für das geneigte Eichhörnchen auch nicht das neueste. Die Feministinnen beißen sich da auch schon länger die Zähne aus, ebenso wie die Streiter für heterosexuelle Lebensweisen. Wichtig ist, dass wir uns mal alle dieser soziologischen Tatsache bewußt werden.

    Meinst du da nicht homosexuelle Lebensweisen? Oder habe ich den Satz einfach nicht verstanden?

  2. Pingback: acidblog » Zur Gleichstellung in Nerdkreisen

  3. Also, wenn du mich fragst hat Kant noch viel mehr verdient als nur ein bisschen im Grab zu rotieren, der olle Poser.

  4. Heidrun

    Chapeau, Monsieur. Hochachtung. Weiter so, bitte.

    Das mit den Privilegien ist ein sehr wichtiger Punkt. Um das verstehen zu lernen, kann man sich in jedem Fall eine einfache Gesprächssituation vorstellen – und sollte dabei im Auge behalten, dass solche Gespräche massenhaft und überall stattfinden und diesem einen Gespräch gleichen. Beispiel: Cisgender-Privileg. (Cis-)Männer und (Cis-) Frauen reden über Trans-Menschen, zum Beispiel darüber ob Transfrauen Frauen, ‚richtige‘ Frauen oder eben keine Frauen sind. Normalerweise wird keine Transfrau überhaupt mitreden können, und selbst wenn – für die Cis-Menschen steht nichts auf dem Spiel. Das ist der entscheidende Punkt. Egal wie das Gespräch verläuft, egal wer sich wie positioniert, kein Cisgender verliert das Recht oder die Möglichkeit, als Frau oder Mann im richtigen Körper, mit den richtigen Papieren und mit der richtigen sozialen Identität zu leben. Aber für Transmenschen steht bei jedem – jedem – Gespräch dieser Art etwas auf dem Spiel. Das ist das Cisgender-Privileg.

    Mit dem Männer-Privileg ist es ganz genau so. Selbst wenn Frauen (ich meine jetzt Cis-Frauen) mitreden – für die Männer steht nichts auf dem Spiel. Sie – können – natürlich für einzelne Frauen oder Frauen überhaupt Partei ergreifen, sie können, konkret, innerhalb der Piratenpartei daran arbeiten, Frauen zu er-mächtigen bzw. sie dabei zu unterstützen (to empower), sie können es auch lassen, aber in jedem Fall steht für sie nichts auf dem Spiel. Egal wie das Gespräch endet, ihre Privilegien (mit Technik arbeiten, ohne schräge Blicke zu ernten, nicht sexualisiert zu werden, leichterer Zugang zu bestimmten Tätigkeitsfeldern …) bleiben wie sie sind. (Zum Verständnis: Wenn der Zugang zu IT-Berufen für Frauen leichter wird, wird er für Männer nicht schwerer). Das ist das Männer-Privileg.

    Es gibt in der deutschen Gesellschaft noch etliche mehr: Das Hetero-Privileg, das Deutschen-Privileg, Schichten- und wirtschaftliche Privilegien, das Weißen-Privileg … und alle funktionieren gleich.

    Die Inhaber des Cis- und des Männerprivilegs anzugreifen, weil sie darüber verfügen, ist dumm und kontraproduktiv. Es kommt darauf an, was sie damit anstellen. Zu leugen, dass diese Privilegien existieren, ist dumm und kontraproduktiv. Alle gewinnen, wenn sie abgebaut werden – natürlich mit Ausnahme derjenigen, die von der Existenz der Privilegien wirklich profitieren.

    Ich verabschiede mich jetzt. Mir ist unbehaglich als nicht geoutete Transfrau in dieser Diskussion, meine postings missraten mir und in einem shitstorm kann ich mich nicht hinreichend wehren. Bitte, bitte kümmert euch um die Trans-Thematik, es steht in eurem Parteiprogramm. Holt euch bitte Rat von geouteten Trans-Aktivistinnen, sie können euch auch hinsichtlich des gender-Themas weiterhelfen, weil sie es nun mal aus erster Hand sehr gut kennen.

    http://www.transinterqueer.org/index.php/uber-triq.html

    http://tgeu.net/

    http://atme-ev.de/

    Macht’s gut. Auf euch kommt es an.

    • Bitte! Ich werd versuchen an dem Ball zu bleiben 🙂

      Und vielen Dank für deine Ausführliche Antwort! Gerade das mit dem Privilegien ist ja auch am schwersten zu erkennen für die Priveligierten. Ich werd mir die Links die Tage mal anzuschauen.

    • nebenbei gesagt

      Es gibt in der deutschen Gesellschaft noch etliche mehr: Das Hetero-Privileg, das Deutschen-Privileg, Schichten- und wirtschaftliche Privilegien, das Weißen-Privileg … und alle funktionieren gleich.

      ja, die funktionieren (fast) alle über die mehrheit. aber mehrheiten gibts ja nun immer und überall. daraus quasi einen automatismus abzuleiten, dass minderheiten per se von mehrheiten diskriminiert werden, halte ich für falsch. die reine existenz einer mehrheit mag für den angehörigen diese mehrheit vorteile haben, aber eine diskriminierung stellt die existenz einer mehrheit nicht dar. daher gibt es auch kein automatisches „diskriminierungs-privileg“: „ich, minderheit, werde diskriminiert und benötige förderung / zuwendung / sonderstellung.“ denn das scheint mir mittlerweile das privileg schlechthin zu sein. man weise anderen ein privileg zu und befindet sich automatisch per standpunkttheorie im recht.

      alles andere sind konstruktionen: was – konkret – „verliert“ denn ein/e transsexuelle/r, wenn im gespräch das zielgeschlecht nicht als „echt“ anerkannt wird? de facto gar nichts. er oder sie kann genauso weiterleben, wie es beliebt. ebenso wie alle anderen. das hängt nicht davon ab, was andere meinen. wir sind ja keine sklaven von anderer leute meinung.

  5. Viktor Stürmer

    Ein engagiertes Posting! Was wir Männer in einer gleichberechtigten Gesellschaft auch zu gewinnen haben schreibt z.B. Peter Redvoort in „Die Söhne Egalias“! (sein „Porno Roman“ ist übrigens auch nicht schlecht …)

    Viktor

  6. Noch kein Pirat

    „arg bedenkliche Auswüchse (siehe AG Männer)“

    Hi, was ist daran bedenklich?

    Wenn’s eine AG Frauen gibt, kann es doch genauso eine AG Männer geben. Wenn nicht, dann begründe das doch.

    Besser wäre natürlich eine AG Geschlechter. Aber wieso sollte man sich zum tausendsten Male wieder nur auf das eine Geschlecht konzentrieren und das andere aus dem Blickfeld verschwinden lassen?

    Ich kann da irgendwie nicht folgen.

    • Jo

      Eine AG Männer als solche wäre kein Problem, aber die AG Männer bei den Piraten hat sich wohl zum Sammelbecken von Leuten entwickelt, die die Gleichberechtigung am liebsten abgeschafft sähen.
      Wobei das den Beteiligten selber in vielen Fällen nicht klar gewesen sein wird. Es ist halt sehr leicht, sich als Diskriminierungsopfer zu sehen. Als Begründung für Egoismen taugt das ja nicht nur gegenüber Anderen, sondern auch gegenüber dem eigenen Gewissen, das ist sehr verführerisch und kann völlig unterbewusst ablaufen.

      • Noch kein Pirat

        Ach so, das habe ich falsch verstanden. Ich dachte, es ging um den Bestand einer solchen AG an sich.

        Ich denke, es gibt Gründe für eine solche AG. Dass Jungs in der Schule bei gleicher Leistung schlechtere Noten bekommen ist ja beispielsweise Realität.

        Ich finde wie gesagt die Idee einer „AG Geschlechter“ viel sinnvoller als die getrennten AGs. Man kann direkt miteinander reden, statt nur übereinander, man kann Lösungen gleich für beide Geschlechter entwickeln, kann Missverständnisse von vornherein verhindern, geschlechterpolitisches Engagement bündeln, der Bildung einer einseitigen idelogischen Geschlechterpolitik entgegenwirken, wenn immer alle Geschlechter mitmachen, etc.

  7. Gutes Posting aber auch hier seh ich nicht wirklich eine Lösung im Sinne eines „How To’s“.

    In einem der vielen anderen aktuellen Posts konnte ich lesen, dass wir die Schwächeren (in welchem Kontext nun auch immer) unterstützen sollen, wenn sie mal wieder in irgendeinem Forum angegriffen werden.

    Das mache ich schon länger….aber was kann man sonst noch tun? Ich habe nicht das Gefühl, dass man damit wirklich etwas bewirkt.

    Im Bekanntenkreis gegen homofeindliche (o.ä.) Sprüche „aufzustehen“ erzielt leider auch nur, dass man sie irgendwann damit nervt und sie abschalten.

    Kurz: Mir fehlt ein wirklicher Lösungsansatz um die Welt zu verändern.

    • Wenn menschliches Zusammenleben so einfach wäre, dass man dazu HowTos ausgeben könnte, dann müssten wir uns nicht so viel Arbeit beim aufdröseln dieser machen.

      Weiter machen! „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ (Albert Camus)

    • Achte vor allem auf deine Sprache, dann veränderst du schon viel. herrlich (der Herr), dämlich (die Dame), … unzählige Beispiele.

      Wir versuchen als „pirat*inn*en und offene liste“ in unseren Artikeln, Redebeiträgen usw. auf Sprache zu achten: http://pirat-inn-en.de/2011/11/30/klarmachen-zum-gendern/

      Über Musik geht natürlich auch was, auf der nächsten Party mal Sookee und Tapete mit pro Homo auflegen 😉

  8. cmrcx

    „Männer, jetzt müssen wir ran!“

    Ich verstehe noch nicht so ganz, was wir Männer nun tun sollen. Sich über Mechanismen bewusst zu werden, wird sicher nicht ausreichen.

    „Diejenigen stärken, die gegen ihre aufgezwungenen Rollenbilder kämpfen und ihre Position mit unserer Unterstützung bestärken.“

    Soll ich das mit der Politik lieber bleiben lassen? Soll ich meinen Beruf wechseln zu etwas, wo man weniger verdient? Soll ich statt Metal lieber ruhigere Musik machen? Soll ich nur noch Sex haben, wenn ich von Frauen danach gefragt werde, also etwa einmal in 5 Jahren? Soll ich darauf bestehen, dass Frauen ihr Essen selber zahlen und ihre Getränkekisten selber schleppen? Soll ich mich auf Familie, Nachbarn, Tiere, Körperpflege, Mode und Facebook konzentrieren? Bekomme ich dann wirklich eure Unterstützung?

    „Wir Männer brauchen dringend neue Rollenbilder für die Welt von heute und Morgen.“

    Wo sollen die neuen Rollenbilder herkommen? Ich bitte um Aufklärung und hätte dann auch gerne eines.

    • Ich muss dir jetzt mal danken, ganz hervorragende Darstellung!

      Deine Antwort beginnt damit, dass du es als absolut darstellst, dass eine pure Analyse nicht ausreichen würde. Danach fährst du gleich mit eine Fülle von Sexismen der abgedroschensten Art fort um gleich zu demonstrieren, wie nötig sie doch wäre.

      Hier geht’s nicht um Kuschelkurs, hier geht es ganz schlicht und einfach um die soziale Evolution unserer Spezies! Indem du die aktuelle Kultur als unveränderliches Maß aller Dinge dar gestellt hast, hast du in meinen Augen auch gleich bekundet, dass dir an dieser wohl nicht wirklich viel dran liegt.

      Trotzdem noch zwei Anmerkungen:
      – Rollenbilder entstehen im gesellschaftlichen Kurs, genau so wie alle anderen Normen.
      – Ganz indirekt hast du noch auf einen fehlenden Aspekt in meinem Text hin gewiesen: Wenn sich mehr Männer von ihren sexistischen Normen lösen, sehen sich auch weniger Frauen gezwungen, ihren sexistischen Normen anzuhängen.

      • cmrcx

        „Deine Antwort beginnt damit, dass du es als absolut darstellst, dass eine pure Analyse nicht ausreichen würde. Danach fährst du gleich mit eine Fülle von Sexismen der abgedroschensten Art fort um gleich zu demonstrieren, wie nötig sie doch wäre.“

        Eine Analyse ist nötig, das wollte ich keinesfalls in Zweifel ziehen. Ich glaube aber, dass für einen Effekt mehr notwendig ist. Die Analyse beginnt ja auch nicht erst jetzt, so dass man schon langsam aus der Analyse auch Konzepte entwickeln könnte.

        Was Du als „Sexismen der abgedroschensten Art“ bezeichnest, sind als Frage umformulierte Aussagen aus dem feministischen Umfeld. Mir hat beispielsweise mal eine Frau im Bezug auf Politik und Karriere gesagt, Männer sollten sich einfach einen Schritt zurücknehmen. Ich glaube nicht, dass das ein sinnvoller Weg wäre, um den aufgezwungenen Rollenbildern zu entkommen. Ich habe das hier in Form von mehreren Fragen formuliert, da mich die Meinungen dazu sowie Alternativen interessieren.

        „Indem du die aktuelle Kultur als unveränderliches Maß aller Dinge dar gestellt hast, hast du in meinen Augen auch gleich bekundet, dass dir an dieser wohl nicht wirklich viel dran liegt.“

        Die aktuelle Kultur ist nicht unveränderlich und nicht Maß aller Dinge. Dennoch leben wir in der aktuellen Kultur und können diese nicht einfach vergessen, sondern müssen innerhalb dieser Kultur auf Veränderungen hinarbeiten. Die Frage ist nun, wo wir da ansetzen können. Der zweite Satzteil bezieht sich dann wohl auf die Analyse, nicht auf die Kultur. An dieser Analyse liegt mir sehr wohl etwas, deshalb nehme ich auch an Diskussionen wie dieser hier teil. Ich beschäftige mich damit schon lange und habe meine Meinung auf diesem Weg stark verändert.

        „Wenn sich mehr Männer von ihren sexistischen Normen lösen, sehen sich auch weniger Frauen gezwungen, ihren sexistischen Normen anzuhängen.“

        Interessant und bedenklich finde ich, dass in diesem Satz Männer selbst handeln können, während Frauen sich gezwungen sehen. Trifft das andersrum vielleicht ebenfalls zu?

        Welche Möglichkeiten könnte es geben, damit sich mehr Männer von diesen Normen lösen? Bekanntlich bestimmt das Sein das Bewusstsein. Was können wir am Sein ändern, damit sich das Bewusstsein ändert?

      • Ich find eure verschiedenen Meinungen machen ein ziemlich signifikantes Problem deutlich:

        Wenn man so viel wie möglich freie Selbstbestimmung bei gleichzeitig so wenig wie möglich „Schubladen“ für alle haben will, dann funktioniert das mit der Gleichstellung der Geschlechter nicht, beziehungsweise greift zu kurz.

        Eine Gesellschaft ganz ohne Rollenmuster ist ja nur dann möglich (erstrebenswert) wenn jedes Individuum sich nach Gusto entfalten darf. Nimmt man diese Freiheit wörtlich, muss man auch jedem gestatten, sich strikt an die heutigen Rollenmuster zu halten, oder da eben zufällig irgendwie reinzupassen. Naserümpfen über getränkekistenschleppende Männer oder lippenstiftbenutzende Frauen wäre ja nur eine Umkehr der Bestehenden Muster.

        Der Knackpunkt ist ja eben, wie man die Freiheit, die emanzipierte Selbstbestimmung eines Jeden mit einer (möglicherweise verordneten) Gleichheit in Einklang bringen kann. Und wir reden nicht nur vom Unterschied zwischen Männern und Frauen, sondern von innerlich und äußerlich verschiedenen Individuen.

    • Traurig, dass man heutzutage überhaupt über so ein Thema diskutieren muss. Akut politisch korrekt halte ich für dumm und Feminismus beinhaltet irgendwo ein Armutszeugnis, weil es impliziert, dass man die die Welt in Mann/Frau (oh sry, ich meinte Frau/Innen und Mann/Innen) aufteilen muss.

      Um so amüsanter ist es immer wieder zu sehen, wie viele Herren der Schöpfung mit Hilflosigkeit auf so ein Thema reagieren. Dabei ist es doch ganz einfach. Ein wenig Zivilcourage, wenn man sieht, dass jemand zu Unrecht angegangen wird und der kategorische Imperativ. Alles andere erübrigt sich dann von selbst, oder seh ich das falsch?

      Um mal selbst in die bunte Kiste der Vorurteile zu greifen: Männers, es ist keine Schande nicht auf jedem Gebiet der Beste zu sein. Es macht nicht impotent, irgendwo auch mal von einer Frau überholt zu werden.

      Und Weibsens, wenn man sich ständig nur den Arsch von Männern hinterhertragen lässt und den weiblichen Körper als Währung einsetzt, muss frau sich nicht wundern, dass es nicht so weit her ist mit der Emanzipation.

      Und nu die Frage, wieso das Thema totdiskutieren, statt zu handeln? Ist ganz einfach und tut auch nicht immer weh 😉

    • henner

      Ja so ungefähr sieht das aus und irgendwie frage ich mich teilweise ob dieses Beschweren über sexistische Zustände gerade von Nerdmännern mit eben diesem Frauenmangel in diesen Kreisen zu tun hat.

      Das dicke Eier Phänomen und auch dieses Nice Guy Phänomen sind ja dort auch relativ weit verbreitet, anderseits natürlich auch so dieses Männer unter sich Phänomen selbst wenn Frauen dabei sind, gerade wenn diese aus verschiedenen Gründen (vergeben, hässlich, die Männer sind vergeben, etc.) möglicherweise uninteressant sind oder wenn die Frauen selbst nerdig genug sind.

      Das Männer unter sich Phänomen wird möglicherweise manchmal als sexistisch angesehen, ist es teilweise ja auch anderseits ist es jedes Phänomen. Man will als Mann auch kein Frauen unter sich Phänomen erleben. Als Zivi war ich so ziemlich der einzige Mann auf der Station und ich blogge auch nicht über böse Frauen oder beschwere mich über zu wenig Männern in Pflegeberufen. Das in Pflegeberufen weniger verdient wird im Vergleich mit den IT-Berufen hängt meines Wissens auch nicht damit zusammen, das dort vor allem Frauen arbeiten, sondern von der Arbeitsmarktsituation.

      Dieses Beschweren führe ich hingegen eher auf das Nice Guy mit dicken Eiern Phänomen zurück. Welche Feministinen sollen sich jetzt davon angesprochen fühlen?

      • Word, henner! Das Beispiel mit den Pflegeberufen kam mir auch in den Sinn. Und in diesem Zusammenhang auch, dass die Fähigkeiten/Interessen bei Männlein und Weiblein evolutionsbedingt verschieden ausgeprägt sind. Vielen Männern würd ich zum Beispiel keinen Säugling anvertrauen.
        Aber das Schöne an der Emanzipation ist, dass man die Freiheit dazu hat, sich in verschiedenen Bereichen zu bewegen, es aber nicht tun muss, wenn man es nicht will.
        Mein Freund hat kein Problem damit, dass ich besser mit Rechnerproblemen klarkomme als ich. Und ich hab kein Problem damit, zwischendurch mal seinen Haushalt zu machen und ihn mit einem warmen Essen zu empfangen, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt.

        Was ich persönlich dagegen als alarmierend empfinde ist das behandeln der Frau als Statussymbol. Und da, lieber Acid, hatte mich mal eine Aussage von Dir ziemlich geschockt. Und zwar, dass es nur eines guten Aussehens einer Frau bedarf, um jemanden um den Finger zu wickeln.
        Ist es etwa in Ordnung, eine Frau auf ihre Hülle zu reduzieren, damit man sich nicht schämen muss, wenn Mann seine neue Freundin bei den Kumpels vorführt? Ist so ein Verhalten etwa weniger erniedrigend und menschenverachtend als jemand, der die Daseinsberechtigung einer Frau in Nerdkreisen in Frage stellt?

        Es gibt doch anscheinend Rollenschemata, aus denen man nur schlecht rauskommt, bzw rauskommen will. Wenn wir mal ehrlich sind, schauen sich die meisten von uns ab und zu gerne mal einen Porno an. Diese wiederum sind in der Regel auf Männer zugeschnitten. Schema in den meisten Fällen gleich: Blasen, ficken, in den Mund oder im Gesicht abspritzen. Was mit der Frau passiert und ob sie noch ihre Befriedigung erfährt ist völlig gleichgültig. Und die Pornos erfüllen trotzdem ihren Zweck, ohne dass sich jemand lauthals darüber beschwert.

        Ihr wollt neue Rollenvorbilder? Kehrt einfach das um, was uns in den Medien und ihm Hartz IV Fernsehen präsentiert wird!

  9. „Alle paar Monate kommt da so ein Arschloch auf irgend einer unserer hippen Techconfs auf die Idee, sich hinzustellen und eine sexistische Show abzuziehen.“ … ich rätsle noch, was die da eigentlich genau tun, wenn ich ehrlich bin

  10. „Mensch kann postgender als stumpfes Ausblenden dieser Kategorien betrachten (als Privilegierter geht das ja ganz einfach) aber auch bitte bedenken, dass es viele gibt, die dieses auch als ein Ausbrechen aus den alten Rollenbildern und Biologismus betrachten (Die Stichworte lauten hier Transgender und Transvestismus).“

    Gerade in den Bereichen der Transsexualität und der Intersexualität zeigt die Forschung allerdings immer mehr biologische Komponenten auf. Bei M->F-Transsexuellen beispielsweise Testosteronrezeptoren, die einen geringen Testosteronwert registrieren.
    Die heutige Biologie hat allerdings auch kein striktes „So genau ist der Mann/die Frau“-Bild mehr, es sind alles eher Betrachtungen über den Schnitt.
    Wenn die Piraten eine neue Geschlechterpolitik anfangen, dann vielleicht einfach auf der Basis wissenschaftlicher Ergebnisse.
    Poststrukturalismus ist da etwas Faktenarm.

    • Jo

      Wissenschaftliche Ergebnisse auf die Biologie zu begrenzen blendet den sozialen Aspekt aus.
      Und der ist (wissenschaftlich längst nachgewiesen) für den größeren Anteil der Verhaltensunterschiede verantwortlich.

      • @Jo

        „Und der ist (wissenschaftlich längst nachgewiesen) für den größeren Anteil der Verhaltensunterschiede verantwortlich.“

        Das kommt darauf an, wo man ansetzt. Klar haben alle Kulturen verschiedene Gerichte, aber sie alle bestehen aus Fetten, Proteinen, Kohlenhydraten, Vitaminen etc. Essen schmeckt uns, weil unsere Geschmacksnerven auf bestimmte Nährstoffe ausgerichtet sind.

        Die drei Gesetze der Verhaltensgenetik lauten:

        First Law: All human behavioural traits are heritable.
        Second Law: The effect of being raised in the same family is smaller than the effect of the genes.
        Third Law: A substantial portion of the variation in complex human behavioural traits is not accounted for by the effects of genes or families.

        Die gegenwärtige Forschung geht von einem großen Einfluss pränataler Hormone aus. Das bestätigt ja sogar Literatur aus den Gender Studies, zB Voss, Making Sex revisited, S. 232:

        „Androgene (als männlich betrachtete Geschlechtshormone) sollen bereits pränatal, zumindest sehr früh postnatal, vor allem im Gehirn wirksam sein, so dass eine geschlechtsspezifische (männliche) Konstituierung erfolgt. (…) Nun standen vermeintlich pränatal bzw. früh postnatal, insbesondere auf das Gehirn des Embryos wirkende Hormone im Mittelfeld der Betrachtungen. Heute (Ende des 20., Anfang des 21 Jhd.) dominieren in Diskursiven Postulaten binärer geschlechtsspezifischer Konstituierung des Gehirns.“

        Natürlich schreibt die Biologie unser Verhalten nicht schlicht vor, Aber sie prägt unsere Wünsche.

        Männer und Frauen hängen an verschiedenen Tröpfen hoch wirksamer psychopharmer Drogen, nämlich der Hormone. Es wäre erstaunlich, wenn das keine Spuren hinterläßt.

        Die Körper von Mann und Frau sind verschieden, angefangen von Muskeln über Lungenvolumen bis zur Anzahl der Blutkörpchen. Solche Unterschiede können sich nur entwickeln, wenn die Geschlechter an verschiedene Situationen angepaßt waren. Es wäre erstaunlich, wenn dann nicht auch das Gehirn an diese Situationen angepaßt wäre.

      • Tim

        Das ist linke wunschdenke

  11. MistaBreed

    @cmrcx Das gesuchte neue Rollenbild wäre zum Beispiel ein schwangerer Mann, völlig unabhängig davon, das es möglich/unmöglich wäre einfach mal drüber nachdenken.

  12. Jo

    @Christian:
    A) Von „Gesetzen der Verhaltensgenetik“ zu sprechen ist irreführend. Unser Wissen auf diesem Gebiet ist sehr, sehr vorläufig – ich würde mal sagen: Ungefähr auf dem Stand, in dem die Genetik um 1900 herum im öffentlichen Bewusstsein angekommen war.
    B) Wessen Gesetze zitierst Du da? Von wem werden sie anerkannt? Auf welcher Grundlage?
    C) Gesetz #1 ist irreführend formuliert. Den genetischen Anteil am menschlichen Verhalten gleich an den Anfang zu stellen und den kulturellen Einfluss nicht zu erwähnen tut ja geradezu so, als sei die Genetik der Hauptanteil!
    D) Gesetz #2 gilt auch nur, bis jemand eine Studie veröffentlicht, die das Gegenteil „beweist“. Wie gesagt, ich gehe nicht davon aus, dass wir in diesem Bereich schon *irgendwelche* gesicherten Erkenntnisse haben; die Erkenntnisse über soziale Interaktion, so vage sie sind, sind solider.
    Das gleiche gilt für Gesetz #3. Da sogar fast noch mehr, weil die in ihren Studien garantiert bei der Definition oder Erfassung von „complex behavioural traits“ gewaltige Böcke geschossen haben. Methodisch saubere Arbeit ist in diesem Bereich ohnehin so gut wie unmöglich: Wer auf Fragebögen zurückgreift, hat die Subjektivität der Selbstwahrnehmung drin, wer Statistik betreibt, hat die Subjektivität der Auswertung drin (welche Korrelationen sind kausal und welche nicht). Und alle haben das Problem, dass es viel zu viele Variablen gibt, die man kontrollieren müsste und nicht kann.

    Ich würde die Verhaltensgenetik derzeit als Erkenntnisquelle nicht nutzen wollen. Das sind alles viel zu vorläufige Erkenntnisse.

    • henner

      Ich glaube die Debatte krankt gerade auch daran das die biologischen Unterschiede fast keine Beachtung finden und hier mit einem ziemlich künstlichen Genderkonstukt umgegangen wird welches zumindest in meinem Umfeld (Ok ich komme ursprünglich aus einem Dorf und hänge jetzt auch nicht unbedingt immer in den schrägsten Clubs ab) relativ komplett an der Realität vorbei geht. Transsexuelle und auch Homosexuelle, auch wenn es von denen mehr gibt, stellen doch nur einen sehr kleinen Prozentsatz dar. Bleiben noch heterosexuelle Männer und Frauen. Diese sind, was ihre sexuelle Ausrichtung angeht, von ihrer Biologie bestimmt. Ich will Transsexuelle und Homosexuelle nicht unbedingt diskriminieren aber da diese eben solch einen kleinen Anteil haben finde ich das das dann auch eher seperat behandelt werden sollte.
      Schräg ist das Modell insbesondere weil dadurch die Biologie ausgeklammert wird und die Sexualität als ein rein soziales Konstrukt gesehen wird was einfach nicht stimmt.

      • Jo

        Erstens: Der Übergang zwischen Homosexualität und Heterosexualität ist fließend. So stark, wie Du es grad darstellst, ist die Sexualität eben nicht von der Biologie bestimmt.
        Denn, zweitens: Die Gesellschaft entmutigt Homosexualität, woraufhin viele Menschen gar nicht erst auf die Idee kommen, dass sie homosexuelle Anteile haben könnten (von den diversen Verdrängungsmechanismen mal abgesehen). Gesellschaftliche Normen haben damit sehr wohl die Kraft, biologische Veranlagungen außer Kraft zu setzen.
        Drittens setzt Du Sexualität und soziale Rollenmodelle gleich. Das macht aber keinen Sinn – es geht hier um soziale Interaktion am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit, nicht um das, was man miteinander im Bett tut.

        Das Rollenverhalten im Alltag ist in der Tat fast vollständig soziales Konstrukt.

      • henner

        @Jo
        Wir haben eine Sexualität, also ist es in gewisser Weise von der Biologie bestimmt. Richtig, dieser Übergang ist fließend aber das macht die Sache nicht weniger biologisch bedingt. Ich würde sagen es gibt eine gewisse Bisexualität in allen Menschen und wie stark nun das Eine oder das Andere ausgeprägt ist hängt dann evtl. auch stark von den Lebensumständen aber auch von Hormonen etc. ab.

        Ich setzte Sexualität nicht mit sozialen Rollenbildern gleich aber zu behaupten unsere Rolle sei ausschlieslich ein soziales Konstrukt und von der Sexualität abgekoppelt ist meiner Ansicht nach nicht wahr. Und sozialen Interaktion hat mehr oder weniger immer auch, selbstverständlich je nach Individuum oder Situatíon einmal mehr oder eimal weniger, mit unserer Sexualität zu tun. Unser Verhalten wird ziemlich stark von Hormonen und anderen Stoffwechselgeschichten geprägt. Iss einfach mal einen Tag lang nichts und du wirst bemerken das du deutlch anders drauf bist als mit normaler Nahrungszufuhr. Ähnlich sieht es auch mit Hormonen aus.

        Selbstverständlich kann ich ein professionelles Gespräch mit einer Kollegin führen, aber dieses Gespräch wird aus genannten Gründen immer etwas anders sein als mit einem Kollegen (wahrscheinlich nicht unbedingt minder professionell aber eben etwas anders).

  13. @cmrcx:
    Ok, können wir uns drauf einigen, dass eine Analyse nötig ist? Denn ohne die, lässt es sich schlecht Konzepte entwickeln 😉 Und ich sehe es auch einfach so, dass noch verdammt viel Aufklärungsbedarf besteht. Wir können auch gerne versuchen, Konzepte zu entwickeln.

    Also „Soll ich nur noch Sex haben, wenn ich von Frauen danach gefragt werde, also etwa einmal in 5 Jahren?“ geht mal ganz klar auf das vorherrschende Rollenbild ab, das werden sie dir wohl kaum vorgeschlagen haben, oder? Aber mal davon abgesehen, wüsste ich jetzt auch gar nicht, warum ich dir vorschreiben sollte, wie du dein Leben zu leben hast. Zum einen will ich das nicht und zum anderen bin ich btw der Meinung, dass ich das auch gar nicht darf.

    Ich muss zugeben, dass ich wirklich positiv von deiner zweiten Antwort überrascht war. Ich glaube, dass wir im kleinen, also dem alltäglichen Handeln sowie mit Diskussionen wie dieser hier an einer Veränderung mit wirken können.

    Und natürlich bestärken sich die Rollenbilder im Wechselspiel und viele Männer sehen sich genau so gezwungen wie Frauen, in den ihnen vorgegebenen Rollen mit zu spielen. Ich stimme dir zu, dass ich den Satz auch wirklich besser formuliert gehabt haben sollte.

    Ich bin mir da nicht ganz so sicher, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt. Ich finde, dass des anders herum auch sehr gut geht 😉 Eine Möglichkeit wäre z.B. das erschaffen von neuen Rollenbildern, aber ich hab da auch keine endgültigen Antworten . Ich konnte mich ja auch nur ihrer entsagen, weil ich mich recht früh für die „skilled Freak“ Nische entschieden hatte.

    @sumosu
    Das allerdings ne spannde Frage. Momentan ist es ja so, das neben den althergebrachten Lebensarten kaum andere, oder gar der Wechsel zwischen Ihnen, zugelassen wird.

    @artificiallycan
    Ich tu handeln und diskutieren! Und ich hatte dir meinen größten Fehler in meinem Beziehungsleben erzählt und keine allgemeingültige Aussage gemacht gehabt ;P

    • cmrcx

      „Also „Soll ich nur noch Sex haben, wenn ich von Frauen danach gefragt werde, also etwa einmal in 5 Jahren?“ geht mal ganz klar auf das vorherrschende Rollenbild ab, das werden sie dir wohl kaum vorgeschlagen haben, oder?“

      Nein, das ist das Gegenteil des vorherrschenden Rollenbildes. Gemäß dem vorherrschenden Rollenbild hat die Initiative vom Mann auszugehen. Wenn ich mich diesem Rollenbild verweigere, gibt’s eben keinen Sex. Mir hat niemand konkret vorgeschlagen, mich hier diesem Rollenbild zu verweigern, aber mir wird seit ich lebe eingeflößt, dass diese Initiative auch sexuelle Belästigung sei, welche zu unterlassen ist.

      „Aber mal davon abgesehen, wüsste ich jetzt auch gar nicht, warum ich dir vorschreiben sollte, wie du dein Leben zu leben hast. Zum einen will ich das nicht und zum anderen bin ich btw der Meinung, dass ich das auch gar nicht darf.“

      Du hast in deinem Beitrag (alle) Männer zum Handeln aufgefordert. Ich habe lediglich Fragen gestellt, was wir denn nun eigentlich tun sollen.

      Ich habe kein Konzept, wie ich die Rollenbilder überwinden kann. Klar, ich greife keine Frauen an, die sich für etwas traditionell als männlich geltendes interessieren. Ich mache ziemlich viele Sachen, die traditionell als weiblich gelten (z.B. Nähen) und durfte mir dafür schon Spott anhören. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass das Rollenbilder aufgelöst oder die Gesellschaft weitergebracht hätte. Solche Kleinigkeiten reichen dazu nicht aus. Wenn ich mich dem vorherrschenden Rollenbild wirklich verweigere, dann bin ich aber einfach nur der Depp und niemand wird mich dabei unterstützen. Also bleibt mir eigentlich keine Wahl, als diesem Rollenbild weitgehend zu entsprechen.

  14. pan

    Bei den Beiträgen zum Thema, die derzeit durchs Netz geistern fällt mir ein Punkt besonders auf: Weibliche Piraten wollen nicht kandidieren. An der Stelle überlege ich warum das so ist. Ist da der Weg zur Kandidatur problematisch? Oder das Aufgabenprofil der Ämter für die (nicht) kandidiert wird? Wenn die Struktur Männer bevorzugt dann ist ja das beste Argument gegen die Quote nicht, dass jemand „nur Quotenfrau“ ist, sondern dass Frauen durch die Quote in eine Männerstruktur hineingezwängt werden. Dann muss eben die Struktur besser geschlechterkompatibel gemacht werden.
    Also m.E. ist die Zielführende Frage: Wie können Parteifunktionen und der Weg dahin so gestaltet werden, dass sich alle Beteiligten damit wohlfühlen können?

  15. Pingback: Alles klar zur Wende? - Katrin Rönicke

  16. Pingback: Genderdebatte und Frauenquoten in der Piratenpartei « Kegelklub

  17. Tim

    Ich als Mann privilegiert??

    Guter Witz, selten so gelacht.

    Komisch als ich 18 war musste nur ich zum Bund, nicht meine gleichaltrige Freundin…

    Aber ich bin ja sooo privilegiert gelle 😉

    Schmarn.

  18. Tim

    Nicht das das falsch verstanden wird. Ich bin für Gleichberechtigung.

    Aber für wirkliche!

    Frauen haben heute zumindest gesetzlich die gleichen Rechte.

    Bevor man hier weitergeht, muss man natürlich erstmal dafür sorgen, dass das bei Männern ebenso ist.

    Wenn z.B. die Wehrpflicht nur für Männer aus dem GG gestrichen wurde, kann man weitersehen.

    Aber nicht vorher!!!

    Kann man nachvollziehen oder?

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