Warum spaßbremsen Spaß macht!

oder:
Humor ist, wenn man trotzdem nicht lacht

Letzte Woche gab es im Rahmen des 28c3 den wunderbaren Workshop “Feminist Flashback” von und mit Kadda und Lotte.
Wie meistens in solchen Runden war die thematische Bandbreite relativ groß, aufgegriffen wurden unter anderem einige verbale Entgleisungen während des Kongresses. Dazu gehört auch der Trend in IT-affinen Kreisen, statt des „DAUs“ (dümmster anzunehmender User)  von der Mutter / Oma / Schwester zu sprechen, wenn es um jemanden geht, der von Technik keine Ahnung hat. Also z.B. „Erklär das mal so, dass es auch Deine Mutter versteht.“
Die Workshoprunde war sich einig, dass diese Entwicklung von einem geschlechtsneutralen Kürzel zu einer sexistischen Stereotypisierung ein Schritt in die ganz falsche Richtung ist.
Denn auch, wenn diese Aussage lustig sein soll oder ironisiert wird, so verfestigt sie doch ein Rollenbild, demzufolge Menschen weiblichen Geschlechts per se weniger technikaffin sind.

Was mich zu meinem Punkt bringt.
Bei mir fing es mit Bauklötzen und Legotechnik an, setzte sich mit dem Physik-LK fort und endete (vorerst) in einem stark männerdominierten Job. Ich habe mir über die Zeit angewöhnt, auf die Thematisierung meines Geschlechts mit beißender Ironie zu reagieren. „Ich krieg das schon hin, ich bin ja kein Mädchen“ war da noch harmlos.
Wenn Witze über Frauen gerissen wurden, habe ich gerne noch einen drauf gelegt (oder drunter, wenn es um das Niveau geht…). Warum? Um zu zeigen, wie knallhart und supertough ich bin, dass mir all diese Sprüche und Witze nichts anhaben können und ja, wohl auch, um mich von den „Mädchen“ zu distanzieren.

Aber was habe ich damit erreicht?
Dass mich die Menschen in meinem Umfeld ernst nehmen und respektieren lag wohl eher nicht an meinem Repertoire sexistischer Witze, sondern an meinen Fähigkeiten und meinem Charakter. Klar gehört Humor auch dazu, aber rassistische Witze habe ich ja auch nicht gemacht.

Wahrscheinlich habe ich mit meinem Verhalten wohl vor allem zwei Punkte erreicht:

1. Ich habe dazu begeitragen, dass Sexismus gesellschaftsfähig bleibt.
Indem ich signalisiert habe, dass solche Witze ja „gar nicht so schlimm“ sind, vielleicht sogar „total in Ordnung“, weil ja „starke Frauen“ sowas locker abkönnen. Und wenn es einer Frau gegenüber ok scheint, dann kann man so einen Spruch ja auch bei anderen Gelegenheiten reißen. Vielleicht verweisen sie dabei dann sogar auf mich, um ihren Seximus zu rechtfertigen. Und dann hört jemand so einen Witz, nicht wissend, dass der Sprecher / die Sprecherin es ironisch meint, oder, schlimmer noch, hat nicht das Mindset, solche Sprüche als sexistische Kackscheiße abzutun.

2. Ich habe also selbst sexistische Rollenbilder zementiert.
In meinem Kopf, in den Köpfen derer in meinem Umfeld, aber eben auch darüber hinaus. Unser Gehirn kann mit Negativ-Informationen nicht viel anfangen. (Denke jetzt NICHT an einen rosa Elefanten!) Was hängen bleibt, sind stereotype Muster wie eben „Frauen können keine Technik“, „Frauen muss Mann immer helfen“, „Frauen können nicht logisch denken“…
Und das ist doch gerade das, was ich nie, nie, nie wollte!!

Deshalb:
Ich bin jetzt Spaßbremse!
Ich will keine sexistischen Kommentare machen, und seien sie noch so ironisch. Ich will über keinen sexistischen Witz mehr lachen, auch wenn er im engsten Kreis unter „aufgeklärten“ Menschen fällt. Ich will klarmachen, dass Sexismus immer Scheiße und nie lustig ist.

Weil ich will, dass diese Welt eine bessere wird, fange ich mal mit besseren Witzen an…

Weil ich Spaß am Leben haben will. Und vor allem weil ich will, dass jede daran Spaß haben kann!

Zum Weiterlesen über „feminist killjoys“:  http://barnard.edu/sfonline/polyphonic/ahmed_01.htm
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